HERR KNIGGE GEHT ZUR WEIHNACHTSFEIER

Herr Knigge geht zur Weihnachtsfeier

Fünf Möglichkeiten “fettnäpfchenfrei” zu überleben

Gestern war Herr Knigge zur alljährlichen Weihnachtsfeier seines Betriebes. Irgendwie ist das ja in jedem Jahr das gleiche, aber diesmal hat sich Herr Knigge geärgert.

Ihm ist klar, dass eine solche Veranstaltung nicht nur sein Privatvergnügen ist. Man befindet sich ja immer noch im beruflichen Kontext, da ist ein zu legeres Verhalten unangebracht.

Sein Kollege hat da anscheinend völlig andere Vorstellungen; er geht kumpelhaft auf den Chef zu, drückt ihm großzügig ein Bier in die Hand und klopft ihm auch noch auf die Schulter. „Jetzt fehlt nur noch, dass der ihn einfach duzt“ denkt Herr Knigge.

Eins

Rangfolgen und Hierarchieebenen gelten auch auf einer halb privaten Feier. Berührungen, die über den Händedruck hinausgehen können als übergriffig interpretiert werden und das Du-Angebot kommt von der ranghöheren Person.

Die Kleidung seiner Kollegen ist in diesem Jahr auch sehr unterschiedlich. Die beiden Kolleginnen aus der Buchhaltung haben sich wie für eine private Party gekleidet: Tiefes Dekolleté, dafür ein umso kürzerer Rock, eindrucksvolles Make up und viel Schmuck. Herr Knigge weiß gar nicht wo er zuerst hinschauen soll. Der pure Gegensatz ist Herr M. aus dem Marketing. Er erscheint in einer destroyed Jeans, Motto-Shirt und klobigen Turnschuhen. Irgendwie fühlt Herr Knigge sich alt neben ihm.

Zwei

Eine Feier verdient eine etwas festlichere Kleidung als der ganz normale Arbeitsalltag. So wird auch optisch gleich der besondere Anlass deutlich. Aufreizende oder zu sportliche Kleidung sind unangebracht. Sie entscheiden immer selbst, wie Sie wirken möchten. Ihre Kleidung sagt viel über Sie und Ihre Einstellung aus.

Der Chef begrüßt alle Mitarbeiter mit einer kleinen Ansprache und bedankt sich für die geleistete Arbeit. Anschließend wünscht er allen einen entspannten Abend und eröffnet auch gleich das Buffet.

Haben im letzten Jahr auch alle sofort das Buffet gestürmt? Herr Knigge kann sich nicht genau erinnern. Im Moment fühlt er sich, als wäre er in einen Tornado geraten. Es wird gedrängelt und über ihn hinweg gelangt und nur mit Mühe ergattert er Tasse Kürbissuppe. An seinem Platz angekommen, ist er erschüttert, wie viele Köstlichkeiten gleichzeitig Platz auf den Tellern seiner Kollegen Platz gefunden haben. Sind wirklich alle so gierig?

Drei

Tischsitten sind auch heute noch ein Indikator für die Qualität der Kinderstube. Wer sich viel auf seinen Teller lädt muss damit rechnen als gierig abgestempelt zu werden. Packen Sie also Ihre guten Tischmanieren aus und bedienen Sie sich am Buffet gangweise. Übrigens: Für jeden Gang gibt es einen separaten Teller und neues Besteck – jedenfalls wenn Sie im Restaurant essen.

Das nun alle gesättigt sind, merkt man am steigenden Geräuschpegel. Herr Knigge möchte mit seinem Tischnachbarn ins Gespräch zu kommen. Zuerst versucht er es mit dem Thema Weihnachten, aber da beißt er auf Granit. Weihnachten ist überhaupt nichts für seinen Gesprächspartner, nur Konsum und Gefühlsduselei und am Ende geraten sich alle in die Haare. Na gut, dann muss ein anderes Thema her, die Ansprache vom Chef vielleicht; o je jetzt geht das Gezeter erst richtig los…

Hastig verabschiedet sich Herr Knigge, auf solchen Smalltalk hat er keine Lust. Er gesellt sich zu einer Gruppe in der es fröhlicher zu geht und wird herzlich aufgenommen. Hier fühlt er sich wohl und erzählt dann humorvoll von seinem kleinen Missgeschick mit einem Kunden.

Vier

Versuchen Sie mit möglichst vielen Kollegen – am besten auch aus anderen Abteilungen – ins Gespräch zu kommen, aber denken Sie an die Smalltalk-Regeln.: Verzichten Sie auf Gejammer oder negative Gesprächsthemen wie Krankheit, Tod oder Politik. Denken Sie daran: Interesse ist wichtig, Neugier tabu.

Sie dürfen sich durchaus vorbereiten. Machen Sie sich gezielt auf die Suche nach geeigneten Themen. Schaffen Sie ein positives Klima und halten Sie bitte keine Monologe. Smalltalk ist wie Ballspielen: Geben Sie den Ball auch mal ab, um ihn dann wieder aufzufangen.

 

Je später der Abend, desto lustiger die Gäste. Daran ist der Alkohol sicher nicht ganz unschuldig. Irgendwie schämt sich Herr Knigge fast für seine Kollegen. Gott sei Dank sind nur ein paar deutlich angetrunken. Die meisten sind nur etwas fröhlicher als sonst.

Im letzten Jahr sind ihm die vielen Smartphones nicht so aufgefallen. Heute wird sehr viel fotografiert und gepostet. Mindestens zwei Leute in einer Gruppe sind mit ihrem Telefon beschäftigt, die anderen scheint das überhaupt nicht zu stören. Herr Knigge hat das Gefühl nicht richtig dazu zu gehören. Glücklicherweise sitzt Frau S. aus dem Service neben ihm – ohne Smartphone – aber mit einem aufmunternden Lächeln. Sie tauschen sich über Ihre Erfahrungen bei dieser Weihnachtsfeier aus.

 

Fünf

Damit der Morgen nach der Feier nicht der schlimmste des ganzen Jahres wird, werden Sie sicher maßvoll mit dem Alkohol um gehen, sonst könnte es peinlich werden.

Smartphones sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, trotzdem ist eine Weihnachtsfeier nicht der richtige Ort, das neueste Modell aus der Tasche zu zaubern und die Anwesenden mit der neuesten Technik zu beglücken. Video-Clips oder Hundefotos zeigen Sie den Kollegen lieber in einer stillen (privaten) Stunde.

Gegen ein Erinnerungsfoto hat niemand etwas einzuwenden, peinliche Aufnahmen ins Netz zu stellen ist dagegen kein Kavaliersdelikt.

 

So langsam geht die Feier ihrem Ende entgegen. Die Ersten haben sich schon vor einer Stunde verabschiedet und für Herrn Knigge ist es jetzt auch genug. Bevor er seinen Mantel holt sucht er noch seinen Chef, um sich für den Abend zu bedanken. Er verabschiedet sich auch von den umstehenden Kollegen und macht sich nachdenklich auf den Heimweg. Ist er nun besonders empfindlich oder haben seine Kollegen einfach nur eine andere Vorstellung von einer Weihnachtsfeier?

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