Sprechverbot – Eine Woche ohne Stimme

Es ist einfach so passiert, plötzlich kam kein Ton mehr, meine Stimme hatte sich verabschiedet, ich war sprachlos. Nach dem ersten Schreck kam die Diagnose: Kehlkopfentzündung – die Therapie war ganz einfach: ‚Sie dürfen nicht reden‘. Ein Sprechverbot also, eine ganz neue Erfahrung, die mich besonders für die Selbstverständlichkeiten rund um den verbalen Austausch sensibilisiert hat. Hier kommt mein kleiner Erfahrungsbericht über eine stimmlose Zeit. Die Fähigkeit zu sprechen hat einen großen Einfluss auf unsere Wirkung. Das versuche ich meinen Teilnehmern zwar immer zu vermitteln, diesmal habe ich es am eigenen Leib erfahren.

Wer nicht spricht, wirkt erstmal distanzierter.
So ganz selbstverständlich erwarten wir, dass unser Gegenüber den Kontakt herstellt oder auf unsere Fragen reagiert. Mir wurde in dieser Situation ganz schnell klar: ‚Jetzt muss mein Körper sprechen‘. Ganz besonders wichtig wurde plötzlich der Blickkontakt, denn nur so konnte ich einen Kontakt herstellen. Angucken hat so viel mit Wahrnehmen zu tun, mit gehört werden, auch wenn gar kein Wort fällt. Ich konnte also die Vielfalt meiner Gesichtsmuskulatur trainieren. Wussten Sie wie viele Muskeln wir in unserem Gesicht haben? Es sind 44! und damit können wir mehr als 7000 unterschiedliche Gesichtsausdrücke hinkriegen. Erstaunlich, nicht wahr? Augen, Nase und Mund, also die beweglichsten Teile des Gesichts, sind deshalb auch am aussagekräftigsten. Für mich war neben der Mimik auch noch die Zeichensprache sehr hilfreich. Sie kennen solche Situationen aus dem Urlaub; wir reden mit Händen und Füßen und sind erstaunt, wieviel sich dadurch transportieren lässt. Hatten meine Gesprächspartner erstmal mein Dilemma erkannt, waren Verständnis und Hilfsbereitschaft groß. Dabei fiel mir auf, wie groß unser allgemeines Bedürfnis nach Gleichheit ist: Flüsterte ich, um etwas zu fragen oder zu erklären, wurde mir auch im Flüsterton geantwortet. Nicht nur einmal, sondern fast immer. Erstaunlich! Am meisten hat mir in dieser Zeit das kleine Geplauder gefehlt. Wie oft wollte ich eine freundliche Bemerkung machen, eine interessierte Frage stellen oder einfach nur nett ‚Hallo‘ sagen und musste mich mit einem bedauernden Lächeln begnügen. Das Fazit aus einer Woche ohne ‚Stimmberechtigung‘:

  • Dankbarkeit für die Fähigkeit zu sprechen
  • Achtsamkeit; erst erkennen, in welcher Situation jemand steckt, dann reagieren
  • Anpassung kann sehr respektvoll wirken
  • Blickkontakt und Lächeln gehen (fast) immer
  • Mit einem kleinen Gespräch entsteht viel schneller eine persönliche Ebene
  • Nonverbale Signale funktionieren
  • Humor hilft
  • Facebook, WhatsApp oder SMS sind kein wirklicher Ersatz für ein persönliches Gespräch

 

Nun kann ich wieder sprechen und genieße es, mit Worten zu jonglieren, die Stimmlage und das Tempo zu variieren und mal lauter und mal leiser zu sprechen. Diese wiedergewonnene Vielfalt macht mir erst bewusst, wie groß unsere Möglichkeiten sind, mit Worten zu begeistern, beeindrucken und zu berühren. Übrigens: In unserem 21 Tage Programm für mehr Präsenz gibt es auch Impulse zu Sprache und Körpersprache. Falls Sie noch mit von der Partie sind, hier ist der Link zur Anmeldung für unser – im Moment noch – kostenloses Pilot-Programm. Ich würde mich freuen, wenn Sie dabei sind.

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