WAS EIN EISBRECHER MIT KOMPLIMENTEN GEMEINSAM HAT

Einfach mal ein paar nette Worte sagen – was sich hier so einfach liest, ist für viele eine Herausforderung.

Da geht schnell das Gedankenkarussell los: Kann ich das jetzt sagen, passt das überhaupt, ist das vielleicht unangemessen, darf ich der/dem das sagen, sieht das wie Schleimen aus???

Dabei fühlt es sich großartig an, wenn man etwas Wertschätzendes gesagt bekommt, oder?

Der wunderbare Mark Twain hat das so treffend beschrieben:

‚Von einem richtig guten Kompliment kann ich zwei Monate leben‘.

Nur: Was ist denn ein richtig gutes Kompliment?

Meine Mindestanforderungen sehen so aus: Es soll den Empfänger erfreuen, soll Respekt und Wertschätzung ausdrücken und muss unbedingt persönlich und glaubwürdig sein.

 

Ehrlich währt am längsten

Ernst gemeint – das sollte ein Kompliment unbedingt sein. Nicht einfach so daher gesagt, sondern mit Überzeugung und ohne Hintergedanken.

Dafür müssen wir gut beobachten und aufmerksam sein. Was gefällt uns am Aussehen, dem Verhalten oder der Persönlichkeit meines Gegenübers am meisten? Dann wird ein positives Feedback viel leichter.  

Seien Sie mutig und sagen Sie ruhig was Ihnen gut gefällt oder was Sie an der Person bewundern.

 

Bitte keine Floskeln

Beliebig, unspezifisch und belanglos – auf solche Komplimente können wir verzichten.

Beispiele gefällig?

 

Du siehst heute irgendwie anders aus …

 

 

 

Du bist die/der Beste

 

 

 

Schönes Auto

 

 

 

Sie sehen heute wieder bezaubernd aus

 

 

 

Danke du auch -als Erwiderung auf ein Kompliment

 

Sagen Sie lieber genau, was Ihnen besonders aufgefallen ist. ‚Die Form deiner neuen Brille steht dir richtig gut‘, kommt viel besser an als ‚Interessante Brille‘

 

Bloß nicht Schleimen

Manchmal verzichtet man auf ein paar freundliche Worte weil man fürchtet, damit eine Schleimspur zu hinterlassen.

Solange Sie ohne Hintergedanken und ohne Übertreibungen etwas Nettes sagen besteht da keine Gefahr.

Machen Sie aber überschwängliche Komplimente, um sich einen Vorteil zu verschaffen, dann ist das eindeutig Schleimerei; und die kann keiner leider.

 

Ist das schon Anmache?

Nicht erst seit der ‚Me too-Debatte‘ können Komplimente durchaus falsch interpretiert werden. Wer das Gegenüber auf die weiblichen oder männlichen Attribute reduziert, läuft schnell Gefahr, negativ wahrgenommen zu werden.

Eine Kontaktanbahnung mit einem Kompliment kann gut gehen – sie kann sich aber auch zu einem Desaster entwickeln. Eine Gratwanderung, die Fingerspitzengefühl erfordert.

Damit kann ein Kompliment aber durchaus auch ein Eisbrecher sein.

 

Die richtigen Worte finden

Versuchen Sie das in Worte zu fassen, was den anderen positiv beschreibt. Also nichts auswendig lernen sondern situativ reagieren und ihre eigene Ausdrucksweise finden. So kommen Sie authentisch und glaubwürdig rüber.

Komplimente sind kleine Geschenke, die wir anderen machen können. Überlegen Sie einfach mal, wofür Sie Ihrer Freundin, dem Kollegen oder einem Kunden ein Kompliment machen können. Ein paar Beispiele gibt es hier von mir:

 

Die positive Ausstrahlung

 

Ich bewundere …

 

 

 

 

 

Den hintergründigen Humor

 

Ich mag deinen …

 

 

 

 

 

Die guten Ideen

 

Ich beneide dich um …

 

 

 

 

 

Den Optimismus

 

Ich lasse mich von … anstecken

 

 

 

 

 

Die Herzlichkeit

 

Ich freue mich über …

 

Verpackt in eine Ich-Botschaft trifft so eine freundliche Aussage mitten ins Herz.

 

Bitte nicht übertreiben

Komplimente die inflationär verteilt werden erzeugen oft eine gegenteilige Wirkung. Da denkt man doch gleich, dass sich jemand anbiedern will und wird misstrauisch. Lieber ein echtes ernst gemeintes Kompliment als fünf oberflächliche ‚nette‘ Worte.

 

Das Timing ist wichtig

Wenn man genau darüber nachdenkt, dann ist auch Zeitpunkt für ein positives Feedback entscheidend. Ein zwischen Tür und Angel hingeworfenes ‚sieht gut aus‘ hat nichts mit Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu tun. Wenn ich jemandem etwas freundliches sage, dann schaue ich sie oder ihn auch an und freue mich an der Reaktion.

Komplimente machen ja nicht nur den Empfänger glücklich, sie haben auch großen Einfluss auf die Stimmung des ‚Verteilers‘.

 

Annahme verweigert

Ein Kompliment anzunehmen fällt erstaunlicher Weise vielen Menschen schwer. Vielleicht legt uns unsere Erziehung zur Bescheidenheit hier ein paar Steine in den Weg.

Dabei verdienen wir alle jede Menge freundliches Feedback und sollten das auch selbstbewusst und souverän annehmen.

Ein freundliches Danke reicht völlig.

Manchmal finden wir diese Entgegnung unpassend oder schwierig; dann hilft Ihnen dieser Satz vielleicht weiter: „Ich freue mich, dass Sie das so sehen“. Souverän und trotzdem bescheiden.

Übrigens: Ein Gegen-Kompliment auszusprechen wird nicht erwartet, sondern wirkt eher unbeholfen.

Übung macht den Meister

Je mehr wir unsere Fähigkeit trainieren, das Besondere an unseren Mitmenschen zu entdecken und das auch mutig auszusprechen, desto leichter wird es uns fallen. Wie bei allen Fähigkeiten, sind Wiederholungen der Erfolgsschlüssel.

Nutzen Sie also jede Gelegenheit, sich zu verbessern und sagen Sie mindestens einmal am Tag einem Menschen etwas Nettes.

Das hat sich auch meine Heimatstadt Lübeck gedacht und eine ‚Komplimente-Werkstatt‘ entwickelt. Hier gibt es Futter für alle, die mal ein Kompliment brauchen, egal, ob für sich selbst oder für andere.

https://komplimentewerkstatt.de/komplimente

 

 

 

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