Wie eine Schlumpfmütze Karriere macht

Bei meiner Recherche zum Thema Kopfbedeckung ging es ganz schön heiß her. Mütze ab, Damenhut auf, spießige Regeln und modische Torheiten; es war alles vertreten.

Kleidung war ja schon immer Ausdruck von Anpassung, Extravaganz oder Rebellion und so wundert es mich nicht, wenn auch das Tragen von Hut & Co dafür genutzt wird.

 

Es war wohl Ashton Kutcher, der ‚Schlumpfmützen‘ für Männer (vermeintlich) salonfähig gemacht hat. Seitdem tragen nicht nur Promis diese Kopfbedeckung als modisches Accessoire, mit dem man dann praktischerweise auch gleich ein prima Rezept gegen ‚Bad-Hair-Days‘ hat. Soweit, so gut. Aber wie wirken wir denn so gestylt auf unsere Mitmenschen?

Schauen wir uns einmal an, was es mit der Kopfbedeckung eigentlich auf sich hat:

Egal, ob Mütze, Hut, Kopftuch oder Cap – alle schützen vor Kälte oder Hitze, deshalb werden sie im Freien getragen. Aber was passiert, wenn wir hinein gehen? Muss dann die Mütze runter, darf der Hut drauf bleiben? Eine Antwort liefert uns, wie so oft, die Geschichte. Als Zeichen seiner friedvollen Absicht und des Respektes nahmen die Ritter früher beim Betreten eines Raumes den Helm ab. Für Frauen galt und gilt diese Regel nicht, für die Männerwelt hat sie sich aber bis heute erhalten.

In geschlossenen Räumen wird die Kopfbedeckung also auch heute noch abgenommen. Bei einem Hut ist das vielen sicher völlig klar, während ‘Cap-Träger’ sich über diese Regel häufig hinwegsetzen. Bestimmt oft auch aus Unwissenheit. Deshalb hier noch einmal im Klartext:

Hut, Mütze oder Cap werden in geschlossenen Räumen abgenommen.

Da stellt sich dann aber doch die Frage was ein ‘geschlossener Raum’ ist. Wartezimmer, Restaurants, Büros gehören genauso dazu wie Kirchen, Museen oder Bahnabteile.

In Bahnhöfen, Einkaufszentren, Läden oder in Bus und U-Bahn dürfen Mütze und Co. aufbehalten werden.

Privilegien Für Frauen

Nun werden ja Kopfbedeckungen auch sehr oft als schmückendes Accessoire eingesetzt, und zwar von Frauen und von Männern. Hier haben wir Frauen mal wieder besondere Privilegien.

Natürlich nehmen auch die Damen ihr Cap oder ihre Mütze in Innenräumen ab. Sie haben aber sicher auch schon ältere Damen beobachtet, die im Café hingebungsvoll ihre Torte aßen und dabei einen mehr oder weniger großen Hut auf dem Kopf hatten.

Wenn ein Damenhut auf die Garderobe abgestimmt ist und sozusagen dekorativer Teil eines Outfits ist, schmückt er (hoffentlich) in jeder Situation seine Trägerin und bleibt auf dem Kopf.

Und ehrlich gesagt hat man als Frau ja oft auch nur die Wahl zwischen gutsitzender Frisur oder Hut – beides zusammen klappt selten.

Über Kopftücher, die aus religiösen Gründen getragen werden, möchte ich an dieser Stelle nichts sagen.

Rücksicht bei großen Hüten

Aber egal wie groß Ihre Vorliebe für außergewöhnliche Hüte ist, nehmen Sie Rücksicht auf Ihre Mitmenschen. Wer schon einmal ein wagenradgroßes Exemplar bei einer Theateraufführung vor sich hatte, weiß was ich meine.

Ein Muss für Hüte ist übrigens das berühmte Pferderennen in Ascot. Je fantasievoller und extravaganter die Kopfbedeckung, desto besser. Und der Herr mit Stil trägt zu dieser Gelegenheit einen grauen Zylinder.

Noch eine kleine Zeitreise

War es Mitte der fünfziger Jahre noch völlig undenkbar ohne Kopfbedeckung aus dem Haus zu gehen, so sieht man heute nur noch selten Damenhüte, wenn man in den Einkaufsstraßen unterwegs ist; wir sind auch ohne Hut korrekt angezogen. Ein schönes Accessoire ist er aber immer noch.

Dafür ist der Hut bei den Herren wieder häufiger anzutreffen. Er ist ja auch eine schöne Möglichkeit einen eigenen Stil zu etablieren und sich gekonnt in Szene zu setzen. ‚Hut ist der neue Bart‘.

Allerdings wissen viele der jungen Männer, die diesen Trend mitmachen, gar nichts über die Regeln, die Männer in den 1950er und 60er Jahren zu beachten hatte. So habe ich in einem Etikette-Ratgeber von 1955 folgende Passage über den Hut gefunden:

Einen Zylinder fasst man an der Krempe, ebenso eine Schirmmütze; einen weichen Hut jedoch ergreift man am Hutkopf. Die Armbewegung beim Gruße sei nicht übertrieben ausladend; sie richte sich ferner nach vorne und nicht nach oben, sondern halte die Resultierende zwischen oben, vorne und seitlich. Den zum Grüßen abgenommenen Hut hält man so lange seitlich vorn schwebend über dem Kopfe, bis der Gegrüßte vorüber ist. Dann erst bedeckt man sich wieder. Ein zu kurzes Lüften des Hutes ist unhöflich; eine das Hutlüften bloß markierende Handbewegung ist ganz manierlos. Auch zu rasches Abnehmen des Hutes widerspricht gutem Benehmen.

Hört sich doch ziemlich kompliziert an und war es sicher auch. Gott sei Dank müssen wir uns darüber heute keine Gedanken mehr machen. Nur in alten Filmen kann man diese Verhaltensweisen noch gut beobachten.

Passend zu Anlass, Stil und Proportion

Wie alle Accessoires sollen auch unsere Kopfbedeckungen zum Gesicht, zur Kopfform und zum eigenen Stil passen. Leichte Sommerkappen, im tiefsten Winter getragen, wirken genauso deplatziert, wie die Wollmütze bei 40 Grad im Schatten. Auch gewisse modische Extravaganzen haben ein Verfallsdatum. Ich denke da an Baseballcaps, die verkehrt herum getragen wurden – das war vor langer Zeit modern, heute wirkt das eher albern. Und auch der momentane Mützentrend wird sicher nicht zehn Jahre andauern.

Tabu-Zonen

Nach meinen Recherchen gibt es einige Situationen, in denen eine Kopfbedeckung als unangebracht empfunden wird. In christlichen Gotteshäusern zum Beispiel, am Essenstisch oder im Büro (hier besonders beim Gespräch mit dem Vorgesetzten). In der Freizeit, auf Partys, mit Freunden tragen Sie, was Sie mögen. Vielleicht etablieren Sie Ihren Hut oder Ihre Kappe sogar als Markenzeichen, wie es Sherlock Holmes oder Udo Lindenberg getan haben.

 

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4 Comments
  • Lee
    Posted at 18:56h, 15 Februar Antworten

    Hallo,
    vielen Dank für den Artikel – ein Hinweis fehlt meiner Meinung nach noch: SchülerInnen sollten auch während der Unterrichtszeit keine Hüte/Kappen/Mützen tragen.

    Viele Grüße

    Lee

    • Gerhard Smits
      Posted at 15:06h, 16 Februar Antworten

      Das stimmt genau. Auch für weibliche Mützenträger gilt: Mütze ab geschlossenen Räumen. Die Ausnahme ist tatsächlich nur der zum Outfit gehörende Hut.
      Danke für den Hinweis.

  • Erich Kauth-Kokshoorn
    Posted at 10:18h, 16 Februar Antworten

    Weitere Ausnahme:
    Beim Betreten einer Synagoge ist ein Kopfbedeckung unbedingt aufzusetzen!!!

    • Gerhard Smits
      Posted at 15:17h, 16 Februar Antworten

      Absolut richtig! Vielen Dank. In einer Synagoge und in einer Moschee soll der Kopf bedeckt sein. Das gilt für Männer und Frauen.

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