14 Mrz Wie gut ist denn Ihr Ruf?

Rettungsanker für Ihre Reputation

 

Was ist das eigentlich, dieser ominöse gute Ruf?

Schlicht gesagt das, was andere über Sie denken und sagen, vorzugsweise, wenn Sie nicht dabei sind. Diese Meinungsbildung beginnt interessanterweise schon vor dem ersten persönlichen Kennenlernen. Im Informationszeitalter haben wir es dabei natürlich mit vielen unterschiedlichen Kanälen zu tun, über die wir Vorabinformationen erhalten können.

Wie groß der Einfluss dieses Vorwissens ist hat bereits der amerikanische Psychologieprofessor Robert Rosenthal in einer Studie (Pygmalion-Effekt) belegt:

Er testete alle Kinder einer Schule zu Beginn eines Schuljahres auf ihren IQ und gab dann den Lehrern eine Liste mit Namen von Kindern, die als besonders begabt eingestuft wurden. Die Namen der vermeintlich schlaueren Kinder wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Das wussten die Lehrer natürlich nicht. Besonders in den unteren Klassenstufen war der Effekt dieser Vorinformation erstaunlich: Die ausgewählten Kinder wurden von den Lehrern deutlich besser bewertet und steigerten ihren Intelligenzquotienten tatsächlich.

Die Qualität unseres guten Rufs entscheidet über die Art aller Beziehungen und eine positive Erwartungshaltung ist ein entscheidender Faktor für einen gelungenen ersten Eindruck.

Unsere Reputation ist also ein Kapital, das gepflegt und geschützt werden muss.

Von Warren Buffett, dem amerikanischen Milliardär und Großinvestor stammt dazu dieser Satz:

Es dauert ein Leben lang, um eine Reputation aufzubauen – und nur wenige Minuten sie zu zerstören.

Politiker wie Christian Wulf oder Karl Theodor zu Guttenberg haben das schmerzlich erfahren müssen.

Nun stehen die meisten von uns nicht so stark im Mittelpunkt, wie öffentliche Personen, aber schon eine Beförderung oder ein Geschäftsabschluss sind mit der entsprechenden Reputation erfolgreicher.

Puzzle-Steinchen der Reputation

Schauen wir uns also einmal an, nach welchen Kriterien uns unsere Mitmenschen, oft unbewusst, beurteilen und so die ersten ‚Puzzle-Steinchen der Reputation‘ entstehen. Je nach Umfeld füllen wir die unterschiedlichsten Rollen aus. Die sehen im Familien- oder Freundeskreis ganz anders aus als im Beruf. In der Familie gelten wir beispielsweise als besonders kreativ, bester Grillmeister oder gute Zuhörerin. Im Beruf sind wir wir Mitarbeiter, Chef, Kollege, Dienstleister oder Kunde und etablieren auch in dieser Rolle unsere Reputation und um diese soll es hier auch hauptsächlich gehen.

Also, los geht’s mit der Aufzählung der ‚Beurteilungs-Möglichkeiten‘:

In welchem Umfeld sind Sie aufgewachsen, wo zur Schule gegangen, welchen Abschluss haben Sie?

Haben Sie Kunstgeschichte oder Wirtschaftswissenschaften studiert, eine Ausbildung gemacht, sind Sie in der Kreativbranche tätig oder Freelancer?

Wohnen Sie allein, in einer Beziehung, haben Sie Kinder? Was tun Sie in Ihrer Freizeit, welche Leute kennen Sie?

Was findet man im Netz über Sie? Gibt es Fotos von Jugendsünden, politische Statements oder posten Sie niedliche Katzenvideos?

Wir haben die Freiheit unseren Ruf selbst zu gestalten

Sie merken schon, das Ganze ist recht komplex, wenn man erstmal anfängt, sich darüber Gedanken zu machen. Gott sei Dank haben wir ja alle die Freiheit, unseren Ruf selbst zu gestalten und dadurch auch entsprechende Chancen zu nutzen, oder ganz bewusst darauf zu verzichten. Wir können unsere Ideale und Werte leben und müssen uns nicht verbiegen, nur um den Erwartungen anderer zu entsprechen.

Wie wirken Sie?

Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, welchen Eindruck Sie bei Kollegen, Vorgesetzen, Kunden oder Dienstleistern hinterlassen möchten? Wissen Sie, wie Sie auf andere wirken und ist das so in Ordnung für Sie?

Hier wäre jetzt die Gelegenheit zu einer Bestandsaufnahme: Sehen Sie sich doch einmal dieses Arbeitsblatt an (hier klicken).

Der nächste Schritt ist nun herauszufinden, was in der virtuellen Welt über Sie zu finden ist.

Zeit fürs Ego-Googlen

Machen Sie sich bewusst auf die Suche nach Ihren Spuren im Netz und überlegen Sie selbstkritisch welche Wirkung dabei entsteht. Vor einer realen Begegnung informieren sich heute immer mehr Menschen online über zukünftige Gesprächspartner, Kunden, Bewerber… (Wahrscheinlich machen Sie das ja auch so?) Dabei entsteht ein ‚Voreindruck‘, der in Idealfall deckungsgleich mit dem berühmten ‚ersten Eindruck‘ ist.

Welches Image möchten Sie haben?

Auch in der persönlichen Begegnung wird das Bild einer Person von vielen Faktoren geprägt. Auf einige hat man keinen Einfluss, wie zum Beispiel die Körpergröße, die Gesichtsform oder das Alter. Andere Dinge, die zur Imagebildung beitragen, sind – immer im positiven Sinne – durchaus zu verändern.

Die Meinungsbildung beginnt in Bruchteilen von Sekunden. Unser Gehirn scannt mit Hilfe des Auges wie mit einer Kamera die Botschaften des Bildes ein und speichert diese Informationen. Dieser Vorgang dient der Arterhaltung. Erst einmal wird nur entschieden, ob es sich um Freund oder Feind handelt oder ob ein Signal in Richtung Fortpflanzung gegeben wurde.

Wenn der ‚Arterhaltungstrieb‘ bedient wurde, geht es ans Differenzieren. Wir schauen genauer hin. Welche optischen Signale werden uns geboten? Wie hört sich der Mensch an? Wie bewegt er sich? Gefällt uns sein spezifischer Geruch?

Mit all diesen Fragen beschäftigt sich unser Unterbewusstsein während wir lockeren Smalltalk betreiben. Ob wir jemanden als charmant und selbstbewusst, bieder und zurückhaltend oder intelligent und erfolgreich einschätzen, hängt auch davon ab, wie er sich uns präsentiert.

Die Optik spielt eine Hauptrolle

Bei dieser Präsentation spielt die Optik eine Hauptrolle. Körpersprache, Äußeres und Kleidung sind große Unterstützer beim Aufbau Ihrer Reputation. Ihre persönliche Einstellung wird nämlich durch Ihre Körpersprache transparent gemacht. Im Blog-Beitrag Sprache ohne Worte finden Sie dazu noch ein paar hilfreiche Tipps. Auch die passende Kleidung, die gepflegte Erscheinung und möglicherweise Ihr persönliches ‚Markenzeichen‘ sind wichtige Bausteine. Natürlich sind auch Stimme und Ausdrucksweise wichtige Kriterien.

Checkliste Bekanntheitsgrad

Nutzen Sie auch möglichst viele Gelegenheiten, Ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Das geht viel einfacher, als Sie jetzt vielleicht denken und wahrscheinlich setzen Sie schon einige dieser Beispiele ganz selbstverständlich um:

  1. Pflegen Sie Ihre Kontakte aktiv. Verabreden Sie sich zum gemeinsamen Mittagessen oder treffen Sie sich auf ein Feierabendbier. Interessieren Sie sich für andere, geben Sie Tipps, stellen Sie Verbindungen her, bitten Sie selbst aber auch einmal um Unterstützung. Xing und Linkedin helfen dabei auch über Entfernungen verbunden zu bleiben.
  2. Nutzen Sie konsequent Gelegenheiten Ihr Know How zu beweisen. Übernehmen Sie eine Präsentation, referieren Sie über ein Thema oder äußern Sie Sie sich als Spezialist zu einem Thema.
  3. Kommunizieren Sie Ihre Erfolge. Achtung: Es ist ein schmaler Grat zwischen Bescheidenheit und Angabe.
  4. Trainieren Sie sich im Smalltalk und üben Sie Ihren Elevator Pitch.
  5. Auch für Angestellte werden Netzwerke – online und offline – immer wichtiger. Folgen Sie also bewusst hin und wieder Einladungen zu Netzwerkveranstaltungen und nehmen Sie sich bewusst vor, mindestens drei neue Menschen kennenzulernen.

Trainingsmaßnahmen

Ihr persönlicher Erfolg hängt in hohem Maß davon ab, wie Sie von Anderen wahrgenommen werden. Nehmen Sie sich also die Zeit und beschäftigen Sie sich mit Ihrer Außenwirkung und trainieren Sie Ihre Präsenz. Dazu finden Sie viele Anregungen in den Buchhandlungen. Ich unterstütze sie auch gern mit meinem E-Book 21 Tage für mehr Präsenz (bei Amazon – hier ist der Link) in dem Sie viele Arbeitsblätter und Checklisten finden und außerdem eine Menge Impulse bekommen.

 

Übrigens: Der oft zitierte Spruch von Wilhelm Busch ‚Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert‘ ist in Zeiten von Shitstorms eher kritisch zu sehen.

 

Machen Sie sich also an die Arbeit und überlegen Sie, was andere über Sie sagen sollen. Das ist dann schon der erste Schritt.

Viel Spaß und Erfolg dabei.

2 Comments
  • Erich Kauth-Kokshoorn
    Posted at 11:20h, 01 April Antworten

    Alles ganz gut und wichtig, aber je älter ich werde, desto anstrengender empfinde ich das Karussell der ständigen Erscheinungsoptimierung und ehrlich gesagt nimmt es an Wichtigkeit für mich ab und ich mache auch schon mal längere Auszeiten.

    • Gerhard Smits
      Posted at 12:25h, 01 April Antworten

      Hallo Herr Kauth-Kokshoorn,

      vielen Dank für diese Anmerkung. Im Laufe des Lebens entwickelt sich der persönliches Stil und man wird unabhängiger von den Geboten der Mode. Da kann eine Auszeit ganz legitim sein 🙂

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