Ich hasse Familienfeiern

FAMILIENFEIERN

“Ich hasse Familienfeiern!”

Kommt Ihnen dieser Ausspruch bekannt vor? Dann lesen Sie hier meine Tipps, wie Sie so ein Sippentreffen gut überstehen und womöglich sogar Spaß dabei haben.

Übrigens: Einfach absagen gehört nicht dazu.

Ein Fest soll das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Es bietet die Möglichkeit, in Verbindung zu bleiben und sich auch als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen. Kinder erleben hier, woher sie kommen und erfahren, wo ihre Wurzeln sind. Es gibt also gute Gründe, mal wieder zu feiern.

Gelegenheiten mit der Familie zusammen zu treffen gibt es ja bekanntlich viele: Geburtstage, Feiertage, wie Ostern oder Weihnachten, Hochzeiten, Jubiläen, Konfirmation oder Kommunion, Taufe …

Ihre Einstellung macht den Unterschied

Bestimmt kennen Sie folgende Situation: Der Geburtstag Ihrer Schwägerin steht vor der Tür, Sie haben die Einladung angenommen, ein kleines Geschenk besorgt (ja ich weiß, eigentlich schenken Sie sich nichts – aber mit leeren Händen wollen Sie natürlich auch nicht erscheinen) und den Babysitter organisiert. Schon am Nachmittag fallen Ihnen mindestens drei Namen von anderen Gästen ein, die Sie total langweilig finden. Außerdem haben Sie am nächsten Morgen eine wichtige Präsentation und im Fernsehen werden Sie Ihre Lieblingsserie verpassen. Mit einem Satz: Sie haben keine Lust!

Mein Tipp dazu: Programmieren Sie sich auf die angenehmen Aspekte des Abends. So verderben Sie dem Geburtstagskind nicht die Feier, pflegen private Kontakte und werden sich blendend unterhalten. Wer etwas schrecklich erwartet, wird auch Recht behalten. Umgekehrt ist es zum Glück genauso.

Fragen nach dem Beziehungsstatus

Sie ahnen es schon: Solche Fragen stellen Sie besser nicht. Halten Sie sich lieber an den Grundsatz, nur Fragen zu stellen, die Sie selbst auch bereitwillig beantworten würden.

Und wenn Ihnen diese Frage gestellt wird? Falls Sie darauf nicht antworten wollen, wechseln Sie charmant das Thema.

Es gibt noch mehr Sätze, die niemand hören will:

‚Du bist aber groß geworden‘

‚Du bist so dünn, iss doch noch ein Stückchen Kuchen‘

‚Als ich in Deinem Alter war, hatte ich schon drei Kinder und ein Haus‘ …

Bleiben Sie gelassen. Vielleicht schaffen Sie eine humorvolle Antwort, oder Sie suchen sich einen anderen Gesprächspartner.

Queen of the day

Bei Feierlichkeiten steht oft eine Person oder ein Paar im Mittelpunkt. Gönnen Sie diesen Menschen ihren Sonderstatus und helfen Sie mit, aus dem Tag oder der Feier etwas Besonderes zu machen. Sorgen Sie für ein angenehmes Klima, vermeiden Sie Peinlichkeiten, machen Sie Smalltalk seien Sie aufmerksam.

Was wir von den anderen erwarten

Es gibt ein paar grundsätzliche Dinge, die wir bei anderen einfach voraussetzen, die wir aber natürlich auch selbst beachten sollten. Rücksichtsvolles und respektvolles Verhalten gehören dazu. Da ist zum Beispiel die Sache mit der Pünktlichkeit, oder der Begrüßung, dem Benehmen bei Tisch oder dem Zutexten von anderen Gästen. Auch die fehlende Zurückhaltung beim Alkohol ist so ein Thema. Genaueres zu den ‚Pflichten eines Gastes‘ finden Sie hier.

Die Sache mit dem Smartphone

Zugegeben, es ist wirklich verführerisch, mal eben das Smartphone aus der Tasche zu holen, wenn Onkel Otto seine langweilige Rede hält. Dem Sitznachbarn dann noch das neueste Katzenvideo vorzuführen, natürlich mit Ton, wird auch den letzten Gast davon überzeugen, dass Sie diese Rede langweilig finden. Sie wollen genau das erreichen? In Ordnung, dann leben Sie aber bitte auch mit den Konsequenzen.

Mein Rat zum Mobiltelefon bei Feierlichkeiten: Belästigen Sie niemanden. Nicht mit endlosen Fotoserien inklusiv langatmiger Erklärungen was da genau zu sehen ist. Nicht mit unablässiger Knipserei, damit auch wirklich jede Sekunde für die Nachwelt festgehalten wird. Nicht mit Posten, wie toll, außergewöhnlich, atemberaubend ihr Erlebnis gerade ist. Nicht …  Ihnen fällt bestimmt auch noch so Einiges dazu ein.

Wenn … kommt, bleibe ich zu Hause

Ich habe auch so ein oder zwei Menschen, die ich ungern auf Feiern treffe. Trotzdem ist das kein Grund für mich, einfach abzusagen.

Mit dem Absagen ist das ja ohnehin so eine Sache. Fadenscheinige Ausreden und häufige Absagen werden zu Recht als Ablehnung interpretiert und sind ziemlich schädlich für Ihren guten Ruf.

Zurück zu den Leuten, denen wir so ungern auf Festen begegnen. Meine Strategie: Distanzierte Höflichkeit und möglichst wenig Kontakt. Vielleicht ist dieser Gast, mit dem ich so gar nicht klar komme, ein besonders lieber Freund des Gastgebers oder die Lieblingstante der Gastgeberin.

Gerade Patchworkfamilien kennen dieses Problem. Wird die ‚Neue‘ miteingeladen, wenn der Junior Konfirmation hat? Lassen Sie die Hauptperson entscheiden, es ist schließlich ihr Fest.

Konflikte gehören nicht an die Festtafel

Meine Strategie, das Konfliktpotential so gering, wie möglich zu halten, ist die Planung einer Sitzordnung.

Ich kenne meine Gäste schließlich am besten und weiß genau, wer gut mit wem kann. So steigen die Chancen auf ein gelungenes Fest enorm und die Gäste fühlen sich gleich gut aufgehoben. Die Unsicherheit, mit wem man schlussendlich am Tisch landet, entfällt nämlich. Nach dem Essen ist es übrigens üblich, die Tischordnung aufzuheben. Dann hat jeder Gast auch noch die Möglichkeit, mit den Gästen zu plaudern, die ihm auch noch wichtig sind.

Trotz aller Bemühungen kommt es manchmal leider doch zum Streit. Mit diplomatischem Geschick meistern Sie auch diese Situation. Oft hilft eine Ablenkung oder ein Ortswechsel (vielleicht zur Bar). In ganz dramatischen Fällen werden Sie möglicherweise sogar den Verursacher bitten, die Party zu verlassen.

Zum Schluss verrate ich Ihnen noch ein Geheimnis: Eigentlich mag ich Familienfeiern. Sie sind für mich eine gute Gelegenheit, mit vertrauten Menschen in Kontakt zu bleiben, Erinnerungen auszutauschen und neue zu schaffen. Kleine, schrullige Eigenheiten toleriere ich, schließlich bin ich auch nicht perfekt.

Was sieht das denn bei Ihnen so aus?

1 Comment
  • Hertha-Margarethe Kerz
    Posted at 15:48h, 06 Mai Antworten

    Nett! Ich hasse auch … Gott sei Dank! sind die meisten bei mir schon tot!
    Aber das Wichtigste, und noch Schlimmer als das Phone, haben Sie vergessen:
    Die Leute texten einen immer mit ihren Krankheiten zu. Ein absolutes no go. Sogar, wenn sie einen nicht kennen.

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