XING UND DIE DU-FRAGE

Wie stehen Sie zur ‘Du-Frage’? Neulich habe ich Post von Xing bekommen: ‚Warum wir Sie in Zukunft duzen‘, stand da. Mich hat das einigermaßen gewundert, und damit bin ich nicht allein. 

Diese Nachricht hat heftige Reaktionen ausgelöst. Die meisten Menschen empfanden eine solche Vorgehensweise als übergriffig und nicht angemessen. Woran mag das liegen? Bei Facebook und Instagram duzen wir doch fröhlich drauf los, ohne uns falsch angesprochen zu fühlen.

Ich denke, der Unterschied liegt im Umfeld.

Xing ist ein berufliches Netzwerk. Hier treffen sich Menschen im geschäftlichen Kontext und hier finden die meisten eine gewisse Distanz angemessener als das vertrauliche ‚Du‘.

Im Privatleben geht es deutlich entspannter zu; allerdings komme ich auch hier nur bedingt auf die Idee jemanden ungefragt zu duzen. Ich mache das von der Situation und dem Zusammenhang abhängig.

Wenn ich unsicher bin, frage ich einfach, wie mein Gegenüber angesprochen werden möchte.

Das tue ich übrigens auch, wenn ich jemanden treffe, von dem ich nicht mehr weiß, welche Anredeform wir vereinbart haben: „Ich weiß gar nicht mehr, waren wir beim Du oder beim Sie?“ Damit klärt sich das Problem souverän und sympathisch. Manchmal merke ich, dass mein Gesprächspartner diese Schwierigkeit hat, dann stelle ich diese Frage auch und helfe ihm damit aus dem Dilemma.

Auf einer privaten Party stellen sich die Gäste oft nur mit dem Vornamen vor. Das ist ein klares Signal, sozusagen eine ‚Duz-Aufforderung‘. Nun habe ich mehrere Möglichkeiten:

  1. Ich duze die Person
  2. Ich sieze und verwende den Vornamen (Hamburger Sie)
  3. Ich sieze und frage nach dem Nachnamen

Es ist immer eine Frage der persönlichen Einstellung, der Sympathie und auch der strategischen Wirkung, welche der Möglichkeiten man wählt.

Raten Sie mal, für welche Variante ich mich meistens entscheide: Richtig, ich duze im privaten Bereich meistens. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Apropos Regel; die lautet so:

Im Privaten Bereich bietet die ältere Person (eine Generation älter) das Du an.

Kommen wir zurück zu Xing.

Das ist, genau wie LinkedIn, ein geschäftliches Netzwerk. Hier steht das Business im Vordergrund; es geht in erster Linie um Professionalität und Kompetenz.

Im deutschsprachigen Raum gehört dazu das respektvolle ‚Sie‘. Daraus kann selbstverständlich ein freundschaftliches ‚Du‘ werden, einfach einfordern sollte das aber niemand. Es braucht Zeit herauszufinden, ob man die gleiche Wellenlänge hat. Ein ‚Du‘ ist eine Auszeichnung und ein Vertrauensbeweis.

Zum Schluss auch hier noch die Anrede-Regeln für den beruflichen Kontext:

Im Geschäftsleben bietet die ranghöhere Person das ‚Du‘ an.

Für mich hat das ‚Sie‘ eine höfliche und freundliche Distanz, während das ‚Du‘ persönliche Nähe symbolisiert. Entscheiden Sie selbst, wie Sie damit umgehen, ein paar Denkanstöße haben Sie bekommen.

 

 

 

 

 

 

 

4 Comments
  • Hertha Kerz
    Posted at 12:01h, 02 Juli Antworten

    Ganz schlimm war es am Anfang der Coronakrise. Da hatte Penny ein Schild vor der Tür – vermutlich heute immer noch – auf dem sie erklärten, warum “du eine Maske tragen musst, wenn du bei uns einkaufen möchtest. Denn wir wollen dich ja nur schützen’. Wohl dem, der kein Pennykunde ist. (Die Namensnennung ist durch Art. 5 GG gedeckt, da es von diesem Umgang mit den Dummkunden Bilder gibt und viele Personen das bestätigen können.)

    • Marlies und Gerhard Smits
      Posted at 09:57h, 04 Juli Antworten

      Aber wir kennen das ja auch von dem skandinavischen Möbelhaus und auch in einigen Geschäften mit überwiegend jungem Publikum. Ich fühle mich dann immer irgendwie irritiert. Das ging mir – by the way – auch bei einem unserer ersten Englandbersuche so, als mich die Kassiererin mit einem fröhlichen “Hi dear, come on’ begrüßte…

  • Ursula Thieme
    Posted at 15:37h, 04 Juli Antworten

    Liebe Frau Smits, lieber Herr Smits,
    ich grüße Sie herzlich aus meinem Homeoffice und habe mich über Ihren Beitrag sehr gefreut. Die von Ihnen genannten Regeln sind mir bekannt gewesen, aber in Berlin scheinen diese schon lange geändert worden zu sein. Wir waren im letzten Jahr dort und wurden überall ganz selbstverständlich geduzt – Am Empfang im Hotel, im Restaurant, in Geschäften – das DU ist dort ganz NORMAL……Was uns anfangs irritierte, wurde uns dann ganz schnell auch normal und auch in Hamburg und anderen Großstädten setzt sich das DU wohl allmählich durch, erst bei der jüngeren Generation, im Berufsleben ohnehin schon alltäglich, breitet es sich weiter aus. Werden wir eines Tages das Siezen vermissen? Einst mussten Kinder ihre Eltern siezen, unvorstellbar für uns heute. Liebe Smits´s, bleiben Sie gesund und herzliche Grüße von Ursula thieme

    • Marlies und Gerhard Smits
      Posted at 08:34h, 06 Juli Antworten

      Liebe Frau Thieme,
      vielen Dank für diesen interessanten Erfahrungsbericht.
      Spannend, wie sich die Verhaltensregeln verändern.

      Viele Grüße
      Marlies Smits

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