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06 Nov Tisch-Etikette – Was tun, wenn ich etwas nicht mag?

Nicht immer stehen unsere Lieblingsspeisen auf dem Tisch und manchmal erwarten uns sogar unangenehme Überraschungen, wenn wir uns hungrig und voller Vorfreude an den Tisch setzen.

Die Kinder reagieren hier sehr direkt und äußern ihre Meinung sofort: “Nein, das mag ich nicht, das esse ich nicht“ (Mit viel Glück verzichten sie auf ein ‚igitt‘ oder ‚bäh‘)

Aber was tun Erwachsene? Zuhause oder in der Kantine ist es relativ einfach, mit dieser Situation umzugehen. Hier bestimmen Sie selbst, was Sie essen möchten, und selbst wenn mal etwas auf Ihrem Teller liegt, was Sie nicht essen wollen, lässt sich im privaten Umfeld doch meist eine Alternative finden.

Schwieriger wird es, wenn Sie zu einer großen Familienfeier oder einem geschäftlichen Essen mit einem festgelegten Menü eingeladen sind.

Stellen Sie sich folgende Situation vor:

Salat mit MuschelnSie sind im Familienkreis zu einer Silberhochzeit eingeladen. Die Gastgeber bitten zu Tisch und Sie nehmen die liebevoll gestaltete Menükarte zur Hand. Da lesen Sie nun die Speisefolge, die Sie erwartet. Aber – oh Schreck – nach der Suppe stehen überbackene Jakobsmuscheln auf dem Speiseplan. Sie haben diese Dinger noch nie gegessen, können sich aber auch nicht vorstellen, dass Ihnen so etwas schmeckt. Allein bei dem Gedanken an Muscheln schüttelt es Sie schon.

Ihre Tischnachbarn äußern sich begeistert über diese Vorspeise, vielleicht wollen die Ihre auch…?

Vergessen Sie solche Gedanken lieber gleich wieder. Speisen vom eigenen Teller weiter zu verschenken, zeugt nicht gerade von stilvollem Verhalten. Es gibt da einige bessere Strategien, um aus dieser Sache herauszukommen:

 

Strategie #1

Probieren Sie! Zugegeben, das kostest Sie vielleicht etwas Überwindung. Möglicherweise machen Sie aber auch eine wunderbare Entdeckung und freuen sich über ein absolutes Geschmackserlebnis.

Stellen Sie hingegen fest, dass dies doch nicht Ihre Welt ist, lassen Sie den Rest einfach auf dem Teller liegen und essen die Beilagen.

Ein asiatisches Sprichwort sagt übrigens: Wenn du eine Speise isst, die du noch nie in deinem Leben gegessen hast, verlängert sich dein Leben um drei Jahre.

 

Strategie #2

Sie sprechen den Service an und sagen ihm, dass Sie diesen Gang auslassen möchten. Ohne weitschweifige Erklärungen oder Entschuldigungen. In guten Restaurants wird Ihnen gern eine Alternative angeboten werden.

Sie sind aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, auf spezielle Speisen zu verzichten? Für jeden Gastgeber und Küchenchef ist es hilfreich, so früh wie möglich darüber informiert zu werden. So kann man sich ohne große Anstrengung auf Ihre Bedürfnisse einstellen.

Service, Gastgeber und Sie selbst sollten möglichst wenig Aufheben um die Sonderbehandlung machen.

 

Strategie #3

Sie lassen sich das Gericht servieren, essen aber nur die Dinge vom Teller, die Sie mögen.

Bitte machen Sie Ihre Abneigung gegen eine Speise nicht zum Tischgespräch. Geschichten über verdorbene Muscheln, Massentierhaltung oder ähnliche Begebenheiten eignen sich nicht zur Unterhaltung der Gäste.

 

Strategie #4

Ist Ihnen das auch schon einmal passiert? Sie haben sich ein schönes Stück von Ihrem Steak, Putenfilet, oder Entrecote abgeschnitten und kauen es genüsslich. Plötzlich merken Sie, dass etwas nicht in Ordnung ist; ein Stück Knorpel oder Sehne hat sich dazwischen gemogelt.

Was also tun? Das Übel in der Serviette verschwinden zu lassen ist keine gute Lösung.

Sortieren Sie dezent bei geschlossenem Mund und geben dann das ungenießbare Stück auf die Gabel und von dort auf den Teller – am besten diskret unter die Dekoration, oder an den Rand.

Reste dürfen, müssen heute aber nicht auf dem Teller zurückbleiben, einen “Anstandsrest” gibt es nicht mehr.

Sie sehen, im Grunde ist es einfach, auf stilvolle Weise eine Speise abzulehnen und einen souveränen Eindruck zu machen.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Was würden Sie nur ungern essen?

Bei mir sind es Leber und Matjes. Diesen Gang lasse ich dann aus…

2 Comments
  • Stefanie Etzel
    Posted at 11:46h, 08 November Antworten

    Vielen Dank! Es kann wirklich nicht oft genug gesagt werden: Es muss nicht jeder alles mögen, aber man muss definitiv nicht die eigene Abneigung zum Zentrum der Aufmerksamkeit machen 🙂 Dafür sind die Tipps hilfreich. Ein Aspekt fehlt mir noch – vielleicht können Sie auch hier helfen: Wie ist es denn mit Veganern & Vegetariern? Je nachdem, wie das Menü so gestaltet ist, bleibt ja möglicherweise nicht viel übrig, das gegessen werden kann… Sage ich das dann? Oder ist es sowieso schon die Pflicht des Gastgebers, sich vorab nach den Ernährungsgewohnheiten der Gäste zu erkundigen?

    • Marlies und Gerhard Smits
      Posted at 19:10h, 08 November Antworten

      Hallo Frau Etzel,

      ich freue mich über Ihr Feedback, vielen Dank.

      Vegetarier oder Veganer sollten vorab mit dem Gastgeber sprechen. Eine vegetarische Variante ist ja fast schon üblich. Aber – auch Menschen, die sich vegan, vegetarisch oder laktosefrei ernähren, sollten ein Essen nicht zum Missionieren nutzen. Übrigens eignet sich auch das Thema Diät nicht gut als Tischgespräch. 🙂

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