16 Aug Sieben Spielregeln für Azubis

Für viele junge Menschen beginnt nach dem Ende der Schulferien der sprichwörtliche Ernst des Lebens. Nach Bewerbungsgesprächen und Schulabschlussfeiern folgt nun der aufregende Start ins Berufsleben.

Hier ticken die Uhren anders und so mancher frischgebackene Azubi wundert sich über die vielen Erwartungen, die nun erfüllt werden sollen. Besonders die ‚Soft Skills‘ stehen zu Beginn im Vordergrund. Wie höflich, freundlich und aufmerksam muss man sein? Weder Rüpel noch Schleimer, sondern mit genau dem richtigen Maß von Zugewandtheit, Respekt und Wertschätzung. Was das konkret bedeutet, erfahren Sie in diesem Blog-Beitrag.

Sieben Spielregeln, die den Start ins Berufsleben leichter machen.

Das ist doch klar!

Auch wenn es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, die ganz normalen Höflichkeitssignale spielen auch im Berufsleben eine Hauptrolle. Trotzdem höre ich von Ausbildern immer wieder die Bitte, besonders darauf hinzuweisen. Hier eine kleine Auswahl:

Grüßen Sie die Menschen, die Ihnen im Unternehmen begegnen, auch wenn Sie sie (noch) nicht kennen. Lassen Sie sich bitte nicht von eingefleischten ‚Nichtgrüßern‘ verunsichern oder ärgern, sondern behalten Sie diese freundliche Geste immer bei. Zum Grüßen gehören der Blickkontakt und ein freundlicher Gesichtsausdruck. Profis verwenden auch noch den Namen (Natürlich nur bei Personen, die sie kennen).

Ob ein Händedruck stattfindet, eine Begrüßung also, ist nicht Ihre Entscheidung. Abwarten heißt da die Devise, auch wenn Ihnen das merkwürdig vorkommt.

Das freundliche Duo Bitte und Danke ist ein wichtiger Bestandteil Ihrer Kommunikation. Vergessen Sie also diese kleinen Zauberworte nicht. Gerade als Azubi haben Sie viele Gelegenheiten dazu, nutzen Sie sie! Immer!

Wenn etwas schiefgelaufen ist, sollte eine Entschuldigung selbstverständlich sein. Aber auch in Situationen, in denen Sie jemanden im Gespräch oder bei der Arbeit stören müssen, ist dieses Wörtchen angebracht und höflich.

Die meisten Menschen ärgern sich, wenn sie warten müssen. Wahrscheinlich geht es Ihnen ähnlich. Pünktlichkeit ist also nicht nur eine Tugend, sondern effektiver Umgang mit der Zeit. Wenn Sie nicht rechtzeitig ankommen können, melden Sie sich am besten telefonisch bei den Kollegen und kündigen die Verspätung an. Eine Entschuldigung (siehe oben) ist dann auch angebracht. Wer häufig zu spät kommt, wird also unzuverlässig eingeschätzt, und es gibt Abzüge bei den Sympathiewerten.

Radar einschalten

Die meisten Menschen würden von sich behaupten, dass sie hilfsbereit und rücksichtsvoll sind. Ich habe noch nie jemanden erlebt, der von sich mit strahlendem Lächeln behauptet hat: ‘Ich bin ein Rüpel‘. Bewusst schlechtes Benehmen ist eher selten, oft ist es die fehlende Aufmerksamkeit mit der die Menschen durch die Welt gehen. Am besten schalten Sie Ihr Radar ein und reagieren sofort. Nach diesen Beispielen wissen Sie wonach Sie suchen sollen:

  1. Tür aufhalten für Menschen, die Ihnen folgen.
  2. Die Aufzugtür offen halten, wenn noch jemand mit möchte
  3. Erst alle aussteigen lassen (Aufzug, Bus, Bahn…)
  4. Etwas aufheben, das jemandem heruntergefallen ist.
  5. Für Nachschub sorgen, wenn man das letzte Teil genommen hat. (Kopierpapier, Kaffee, Toilettenpapier…)

Diese Liste lässt sich ins Unendliche erweitern – wahrscheinlich fallen Ihnen auch noch ein paar Punkte dazu ein.

Sprache ohne Worte

Auch ohne ein Wort zu sagen können Sie anderen deutlich machen, dass Sie engagiert, freundlich und entgegenkommend sind.

Halten Sie Blickkontakt und lächeln Sie freundlich, respektieren Sie das Distanzbedürfnis Ihrer Mitmenschen und rücken Sie niemandem zu nahe auf die Pelle. Stehen Sie gerade, aber nicht steif und unterstreichen Sie Ihre Worte mit der passenden Gestik. Mit Ihrer Mimik machen Sie deutlich, dass Sie zuhören. Stirnrunzeln, zustimmend nicken, den Kopf schütteln oder fragend die Augenbrauen hochziehen… diese Zeichen signalisieren Interesse.

Desinteresse oder einfach nur Unsicherheit entsteht, wenn Sie beide Hände in der Hosentasche verstecken. Ein ‚No Go‘, dass nicht nur Chefs stört. Viel besser ist es, beide Hände sichtbar zu haben, dann entsteht der Eindruck von Offenheit.

Sie finden dieses Thema spannend? Dann lesen Sie doch auch meine Blog-Artikel zur Körpersprache (hier klicken).

Fragezeiten

In der Ausbildung wird von Ihnen nicht erwartet, dass Sie alles wissen. Was man Ihnen erwartet, ist vor allem Interesse für den Beruf, an den Kunden und Kollegen.

Ihre wichtigste Aufgabe zu Beginn ist also das Fragen – und zwar in den unterschiedlichsten Bereichen.

Ein paar Beispiele:

–  Sie haben eine Aufgabe nicht verstanden…
Fragen Sie!
– Sie sind unsicher, was Sie als nächstes tun sollen…
Fragen Sie!
– Sie haben Leerlauf und möchten an Ihrem Berichtsheft arbeiten…
Fragen Sie!
– Sie möchten in die Mittagspause gehen…
Fragen Sie!
– Sie haben eine Aufgabe erledigt…
Fragen Sie!
– Ihnen ist warm und Sie möchten ein Fenster öffnen…
Fragen Sie!
– Sie müssen wegen eines wichtigen privaten Termins später kommen…
Fragen Sie!

Diese Auswahl an Beispielen soll Ihnen eine kleine Orientierungshilfe sein, es gibt eine ganze Menge mehr Gelegenheiten zum Fragen.

Anpassung

Jeder Mensch ist ein Individuum und hat seine eigene Persönlichkeit. Niemand erwartet von Ihnen eine Anpassung um jeder Preis. Sie werden bei der Berufswahl schon darauf geachtet haben, dass Ihre Tätigkeit möglichst gut zu Ihren Fähigkeiten aber auch zu Ihrer Einstellung passt. Jemand der am liebsten allein vor dem Rechner sitzt, wird sich als Kundenberater eher unwohl fühlen. Es gibt aber einige Gelegenheiten, da ist ein ‚sich anpassen‘ eine kluge Idee. Sicher haben Sie selbst schon eine Vorstellung davon, wann Sie sich besser nach den Kunden und Kollegen richten. Auch von mir gibt es an dieser Stelle ein paar Hinweise:

In Unternehmen mit Gleitzeit richten Sie sich nach den gängigen Arbeitszeiten in Ihrer Abteilung. Schon um sieben Uhr im Büro zu sein, obwohl alle anderen erst um neun anfangen, kommt nicht gut an.

In vielen Unternehmen gehen die Azubis durch die unterschiedlichsten Abteilungen. Jede Abteilung hat so ihre eigenen Rituale und Regeln. Diese sollten Sie respektieren und Sie sich so weit wie möglich nach denen richten. Allerdings gibt es auch ziemliche Extreme in diesem Bereich. Trägt ein Mitarbeiter Hausschuhe am Arbeitsplatz, gilt das ganz sicher nicht für Sie.

Die Pausenzeiten können auch zu Irritationen führen. Nicht überall wird ein fröhliches Picknick am Arbeitsplatz gern gesehen. Schauen Sie einfach, wie die Kollegen das machen.

Bitte nicht nachmachen: Der Gebrauch des privaten Mobiltelefons am Arbeitsplatz ist weit verbreitet. Hier kann eine Anpassung fatale Folgen für Sie haben, denn Ihnen wird die Beschäftigung mit dem Handy leicht als Langeweile, Desinteresse oder Lustlosigkeit ausgelegt. Lassen Sie dieses Gerät lieber in der Tasche. Stumm geschaltet natürlich.

Outfitwarnung

In jedem Berufsfeld gibt es spezielle Erwartungen an das äußere Erscheinungsbild und die Kleidung. Auch dort, wo eine Uniform getragen wird, erwartet man von den Mitarbeitern selbstverständlich ein sauberes und gepflegtes Aussehen. Darüber hinaus soll Ihre Kleidung passen. Einmal natürlich in Bezug auf die Passform – weder ‚Schlabberlook‘ noch zu figurbetont – zum anderen aber auch zur Branche und zum Anlass passend.

Verzichten sollten Sie auf betont sportliche Kleidung und zu viel nackte Haut. Motto-Shirts oder kurze Hosen, Baseball-Caps oder Träger-Tops, Army-Look oder Flipflops, es gibt viele Möglichkeiten im Fettnäpfchen zu landen. Beweisen Sie hier Fingerspitzengefühl.

Teamplayer

Sie kennen diese Bezeichnung aus der Welt des Sports, und natürlich wissen Sie, dass auch im Arbeitsleben die Teamarbeit eine Rolle spielt. Einzelkämpfer haben es da schwer. Auch Sie werden nun Teil eines Teams und sind mitverantwortlich für den Erfolg.

Sie werden es mit sehr unterschiedlichen Teammitgliedern zu tun bekommen, die alle ihre Stärken, aber auch Schwächen haben. Das ist ganz normal und auch Sie haben ja Ihre persönlichen Abneigungen und Vorlieben. Akzeptieren Sie diese Vielfalt und entwickeln Sie Verständnis für unterschiedliche Arbeitsweisen und Vorstellungen. Seien Sie tolerant und versuchen Sie Vorurteile abzubauen.

Auch als Berufsanfänger sind Sie mit verantwortlich für Ihr Team und seine Leistungen. Packen Sie also mit an und lernen aus Ihren Fehlern.

 

 

Diese sieben Tipps sind nur die Spitze des Eisbergs, wenn es um die Erwartungen an Sie als Azubi geht. Natürlich sollen Sie fleißig, zuverlässig und loyal sein, und etwa eine Million anderer Dinge noch dazu beherzigen…

Ich freue mich auf Ihre Ideen und Anregungen im Kommentar.

5 Comments
  • Gabi Kaiser
    Posted at 10:37h, 17 August Antworten

    Das gilt nicht nur für Azubis! Da könnte sich einige eine Scheibe von abschneiden. Wenn allerdings schon bei den Azubis die richtige Basis gelegt wird, bleiben uns die Rüpel vielleicht eines Tages erspart…

  • Gerhard Smits
    Posted at 10:39h, 17 August Antworten

    Ja, das stimmt, Frau Kaiser. Wir geben unser Bestes 🙂

  • Mika Menzel
    Posted at 18:47h, 18 August Antworten

    Guten Tag,

    gerade die Sache mit den Handy im Laden oder im Büro kommt nicht gut an. Deshalb fand ich den Beitrag sehr gut.

    • Gerhard Smits
      Posted at 19:00h, 18 August Antworten

      …und dann gibt es leider immer die älteren Kollegen, die mit schlechtem Beispiel vorangehen.

  • Cornelius Kalk
    Posted at 11:47h, 12 Juli Antworten

    Danke euch für diese tollen Tipps. Das kann ich sofort für die Praxis gebrauchen und anwenden. Ich leite daher den Link gerne weiter. Und sobald mir noch etwas einfällt, wie an Absprachen halten, sage ich gerne Bescheid und melde mich wieder!

    Liebe Grüße

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