12 Aug SCHUHE & ETIKETTE

Schuhe und Etikette

Was darf, was kann, was geht gar nicht?

Mit Flipflops in die Oper, Budapester am Ostseestrand, High Heels auf der Baustelle, Gummistiefel beim Galadinner; für die meisten von uns ist das ein eher unvorstellbares Szenario. Auch wenn man hin und wieder solche Wunderlichkeiten bestaunt, haben wir doch ein ganz gutes Gefühl für das Passende.

Manchmal schleicht sich aber doch die Unsicherheit ein. Besonders, wenn es sich um einen wichtigen Anlass handelt. Dann stellt Frau sich schon mal die Frage nach der Absatzhöhe und Mann überlegt, ob farbige Sneakers nur zur Jeans getragen werden dürfen.

Egal wofür am Ende die Entscheidung fällt, am Anfang steht der Pflegezustand Ihres Beinkleids.

Ihre Schuhe gehören zum Outfit und müssen genauso tip-top sein, wie der Rest Ihrer Erscheinung. Schmutzverkrustete Stiefel, schiefgelaufene Absätze oder ausgetretene Turnschuhe sind auf jeden Fall tabu.

Nun haben wir für alle Dinge, die wir besitzen, auch die Verantwortung für ihren Zustand.

Schuhe putzen ist also angesagt

Reinigen Sie Ihre Schuhe mit einer Bürste und pflegen Sie sie mit einer guten Ledercreme

Lagern Sie Ihre Schuhe im Schrank (oder einem Stoffbeutel) – sie mögen keinen Staub

Ihr Schuh freut sich über einen Tag Pause von der Arbeit

Schuhspanner schützen vor Sorgenfalten

Kontrollieren Sie Sohlen und Absätze regelmäßig auf ihren Zustand

Vielleicht gehören Sie ja auch zu den Menschen, die nach dem Blick ins Gesicht sofort nach den Schuhen Ihres Gegenübers schauen? Nach meiner Erfahrung ist das keine Seltenheit.

Kaum zu glauben, aber Schuhe verraten doch ziemlich viel über seinen Träger. Nicht nur, was die Sauberkeit und Pflege angeht. Auch Modebewusstsein und Stilgefühl kommen hier zum Ausdruck. Erstaunlich, welche Aussage da ein simpler Schuh machen kann.

Frauen und Schuhe

Uns Frauen wird ja eine gewisse Affinität zu Schuhen nachgesagt, sicher nicht ganz zu Unrecht. Manchmal siegt dann die Faszination an einem besonders ausgefallenen Modell über die Vernunft. Das ist völlig in Ordnung, denn die Trägerin weiß in der Regel genau, dass Sie wahrscheinlich nur selten die Gelegenheit haben wird, diese Kostbarkeit zu tragen.

Bei aller Leidenschaft sollten wir aber die Qualität nicht vergessen:

Gute Schuhe werten Ihr Erscheinungsbild immer auf, billiges Schuhwerk kann ein perfektes Outfit… Klick um zu Tweeten  

Schuhe im Job

Auch im beruflichen Alltag sind Schuhe eine gute Möglichkeit den persönlichen Stil zu unterstreichen. Wir müssen uns nicht nur mit praktischen oder klassischen Modellen zufriedengeben. Nutzen Sie ruhig den Aufmerksamkeitswert Ihrer Schuhe! Auch bei einem eher klassischen Outfit darf der Schuh ein modischer Hingucker sein.

Ein paar Grenzen gilt es aber doch zu beachten, und denen wollen wir hier getrennt für Damen und Herren auf die Spur kommen.

Welchen Schuh Frau im Beruf trägt,

hängt erst einmal von der Art der Tätigkeit und der Position ab. In konservativen Branchen oder bei offiziellen, feierlichen Anlässen sind die Wahlmöglichkeiten etwas eingeschränkt. Achten Sie darauf, dass der Schuh geschlossen ist und einen gemäßigt hohen Absatz hat (ca. 5-6 cm) hat. Im Sommer darf es auch der Slingpumps sein. 

Sandaletten, Mules oder Flipflops sind tabu. Wählen Sie die Farben nicht zu laut. Mit einem grasgrünen Modell landen Sie sonst schnell in der falschen Schublade. Bei Berufsgruppen, die ein eher sportlich-elegantes Outfit zulassen (Werbung, Medien oder Branchen, die mit Genuss oder Lebensstil zu tun haben), ist der Spielraum größer. Sneakers, Mokassins oder Sabots ergänzen unsere Auswahl. Achten Sie darauf, dass Schuh und Kleidung stilistisch und farblich eine Einheit bilden. Setzen Sie ruhig auch Kontraste als Stilmittel ein. Übrigens müssen heute Handtasche und Schuhe nicht mehr die gleiche Farbe haben, beide sollen aber zueinander passen und Ihren Stil komplettieren.

Sandaletten und Sandalen sind nicht unbedingt businesstauglich, im Freizeitbereich oder bei Abendveranstaltungen aber durchaus üblich.  Ihre Trägerin achtet selbstverständlich auf gepflegte Füße. Hornhautverkrustete Hacken, Hühneraugen und abgeblätterter Nagellack sollten der Umwelt lieber verborgen bleiben. Gönnen Sie sich hin und wieder eine Fußpflege. Das tut Körper und Seele gut und Ihre Füße sehen hinterher toll aus.

In der Freizeit ist die Auswahl an Schuhen groß, da können wir unserer Leidenschaft so richtig frönen: Ankle-Boots, Stilettos, Flipflops, Birkenstock oder Chucks …

Dass Sie in Ihren Schuhe gut laufen können und einen sicher Stand haben sollten, nicht nur im Geschäftsleben, ist für Sie bestimmt selbstverständlich.

Nun zu den Herrenschuhen.

Auch hier hängt die Wahl natürlich von Beruf und Position ab. Ein „No-go“ für alle Bereiche sind die im Sommer häufig zu beobachtenden Sandalen, die mit Socken, vorzugsweise in graubraun, getragen werden.

Der korrekte Schuh zum Anzug ist ein Schnürschuh aus Leder. Die Klassiker heißen Oxford, Derby, Brogue oder Budapester. Und je höher die Qualität, desto besser. Farblich haben Sie die Wahl zwischen Schwarz, Dunkelblau (gibt es nicht so oft) und Braun.

Immer seltener hören oder lesen Sie den Satz: „No browns after six“, der bedeutet, dass nach 18.00 Uhr nur schwarze Schuhe zu tragen sind. Das war früher die Zeit, zu der das gesellschaftliche Leben begann und zur Abendgarderobe sind auch heute noch schwarze Schuhe üblich. Wenn Sie in einer sehr traditionellen Branche arbeiten, sollten Sie gut überlegen, wie Sie die modischen braunen Schuhe kombinieren. Ansonsten lockert sich diese früher strenge Regel gerade. Rauhlederschuhe und Loafer (das sind rahmengenähte Slipper) eignen sich nur für den betont sportlichen Businesslook (z.B. Architekt) oder zum halboffiziellen Geschäftsanzug.

Ihr Gürtel passt übrigens immer zum Schuh; also schwarze Schuhe –  schwarzer Gürtel, braune Schuhe – brauner Gürtel.

Für den Casualbereich eigenen sich auch Edelsneaker, die es ja heute auch schon in sehr vielen Farben oder mit farblich kontrastierenden Sohlen gibt.

Bei den Herren bestimmt der Schuh die Hosenlänge, die Schuhe müssen also mit zum Hose kaufen.

Tennisschuhe tragen Sie zum Tennis, Joggingschuhe auf der Laufstrecke und Golfschuhe auf der Driving-Range, anderswo gehören sie nicht hin. Und Sandalen Marke „Waldbrandaustreter“ lässt Mann lieber gleich im Geschäft.

Ein Trost zum Schluss: Zu Hause dürfen Sie tragen, was Sie wollen (oder was Ihre Partnerin akzeptiert). Das gilt übrigens dann auch wieder für die Ladys.

Das Socken-Dilemma

Beim Thema Strümpfe scheiden sich die Geister. Die einen fragen sich nur, ob Strumpf ja oder nein, die anderen haben das ‚Farbproblem‘ Für beide gibt es hier eine Empfehlung:

Im konservativen Business geht es nicht ohne Socken, bei den Damen auch nicht ohne Strumpfhose. Die Farbwahl richtet sich entweder nach der Farbe der Hose oder der des Schuhs. Sandalen und Riemchensandaletten tragen Sie ohne Strümpfe, bei Sneakers, Ballerinas und Co. entscheiden Sie nach Geschmack.

Natürlich gibt es noch ein paar andere Anforderungen an Ihren Schuhbegleiter.

Das ist zum einen die Socken-Länge. 10 cm behaarte Stoppelbeine möchte niemand sehen, die Herren achten also auf, nein, nicht auf rasierte Beine, sondern auf Socken, die lang genug sind.

Der echte Gentleman trägt Kniestrumpf zum Anzug.

In den letzten Jahren haben sich die farbigen Socken für die Herren etabliert. Im konservativen Bereich finden Sie sie noch nicht so häufig, ich bin aber ziemlich sicher, dieser Trend etwas Individualität zu zeigen, wird bleiben.

Stilvoll ist es, wenn sich die Strumpffarbe in Krawatte oder Einstecktuch wiederfindet. Gönnen Sie sich ruhig, da wo es passt, ein paar Extravaganzen.

Sportsocken oder weiße Arztstrümpfe sind, genau wie Löcher im Strumpf weiterhin tabu!

Bitte Schuhe aus

Gar nicht so selten erwarten Gastgeber im privaten Bereich von Ihren Gästen, die Wohnung nicht mit Straßenschuhen zu betreten. Ein manchmal verständlicher, aber immer etwas heikler Wunsch. Einerseits möchte niemand Schmutz in seiner Wohnung, andererseits fühlen Gäste sich oft unwohl, schließlich ergänzen die Schuhe das Gesamtbild. Anzug oder Cocktailkleid und Socken passen irgendwie nicht. Hier ist also Fingerspitzengefühl gefragt. Sicher spielt dabei auch eine Rolle, ob gute Freunde oder Fremde zu Besuch kommen und was der Anlass ist.

Auch Gastgeber aus anderen Kulturkreisen haben vielleicht besondere Erwartungen.

Wir haben für uns entschieden, dass unsere Wohnung ‚schuhtauglich‘ ist. Handwerker haben meist praktische Überzieher dabei und alle anderen reinigen ihre Schuhe auf der Fußmatte.

 

Zum Schluss noch ein kluger Spruch von Coco Chanel, allerdings nur für die Damen 😉

Keep your Heels, Head and Standards high. 

No Comments

Post A Comment