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15 Mai SCHEITERN AN DER GLÄSERNEN WAND

 

Scheitern an der gläsernen Wand

Fünf überraschende Beispiele

Haben Sie sich schon mal gewundert, warum eine Begegnung nicht zum erwarteten Ergebnis geführt hat? Ein Bewerbungsgespräch, eine Projektvergabe, ein Verhandlungsgespräch…? Dann sucht man nach Antworten oder Begründungen. Dem wirklichen Grund werden Sie in vielen Fällen nicht auf die Spur kommen.

Sie scheitern an einer gläsernen Wand

Sie scheitern an einer gläsernen Wand. Meist sind es nonverbale Signale, die dazu führen, dass eine Entscheidung gefällt wird. Oft weiß der Betroffene überhaupt nicht, was schiefgelaufen ist, weil er die unsichtbaren Regeln nicht kennt oder sie nebensächlich findet. Ein fataler Fehler.  

Kleines Beispiel gefällig?

Zwei Bewerber sind in der Endrunde um einen verantwortungsvollen Posten. Beide liegen bei den Qualifikationen gleich auf. Die Verantwortlichen müssen eine Entscheidung treffen. Wer ist der geeignete Kandidat? Sie überlegen, wägen ab und erinnern sich: Zu den Gesprächen kam ein Bewerber immer mit seiner Wasserflasche und trank während der Unterhaltung auch daraus obwohl Gläser und Softdrinks auf dem Tisch standen.

Preisfrage: Wer hat den Job bekommen?

Von dieser Kleinigkeit haben die Verantwortlichen auf die gesamte Kinderstube geschlossen; nicht gerecht, aber genauso werden wir alle immer wieder beurteilt. Und natürlich gilt das nicht nur für Bewerbungsgespräche oder ein Date.

 

Lockerheit vs. Guter Ton

Zugegeben, in unserem heutigen Alltag geht es sehr viel lockerer zu als vor fünfzig Jahren. Wir erwarten keine steife Etikette, dafür aber umso mehr ein bewusstes und wertschätzendes Verhalten. Es geht also nicht um die – als ‚authentisch‘ getarnte – Bequemlichkeit. Lassen Sie sich nicht verunsichern, sondern kultivieren Sie die Schätze Ihrer Kinderstube. Mit fünf Beispielen möchte ich Ihr Bewusstsein in diesem Bereich schärfen. Ihnen fällt dazu sicher noch jede Menge anderer Dinge ein. Immer her damit, vielleicht machen wir daraus dann einen kleinen Ratgeber – oder heißt das heute Tutorial?

 

Mantel, Jacke, Cap & Co

Bei uns im Norden braucht man fast immer eine Jacke. Aber wohin damit, wenn es zum externen Meeting, zur Besprechung oder ins Restaurant geht? Die schlechteste aller Möglichkeiten ist der Nachbarstuhl. Nicht umsonst gibt die praktische Einrichtung der Garderobe. Zugegeben, wir Frauen können unsere Wertsachen einfach in der Handtasche verstauen – aber reisen die Herren nicht ohnehin mit leichterem Gepäck? Es wirkt einfach unordentlich, wenn über allen Stuhllehnen Mäntel drapiert sind, vom der Verschmutzungsgefahr ganz zu schweigen. Beim Geschäftsbesuch in Unternehmen sollte der Gastgeber sich um die Garderobe kümmern. Als Gast fragen Sie einfach, wo Sie Ihre Jacke ablegen dürfen. Das ist ein kleines, aber feines Signal, dass Ihnen dieser Stolperstein durchaus bewusst ist. In guten Restaurant wird sich der Service um die Garderobe kümmern und auch bei privaten Feiern werden Sie nicht das wohldurchdachte Design der Tischdeko durch Ihren geliebten Parka stören. Dem Thema Mütze und Cap habe ich einen ganzen Blog-Beitrag gewidmet. Klicken Sie <<hier>>, um ihn zu lesen.  

 

Das Minenfeld der Tischmanieren

 Diesen Bereich möchte ich an dieser Stelle nur am Rande streifen. Hier spielt uns die Gewohnheit gern Streiche. Wer im privaten Raum eher entspannte Tischmanieren pflegt, hat es im offiziellen Bereich doppelt schwer. Wir sind ja alle leider Gewohnheitstiere. Da kann schon ein simples Netzwerkfrühstück erstaunliche Dinge offen legen. Serviette, Besteck, Geräusche, über den Tisch langen, vollgeladene Teller… ein wirklich weites Feld.

Bitte machen Sie sich bewusst: Immer wenn Sie mit anderen Menschen gemeinsam essen werden Sie beobachtet und bewertet. Das läuft unbewusst und automatisch ab und richtet sich natürlich nach dem Wissensstand des anderen. Hier nochmal zur Erinnerung: Unsere bewusste Wahrnehmung liegt bei 2 – 4 %, die unbewusste bei 96 – 98 %.

Da wird aus einem vollen Teller dann plötzlich die Einschätzung ‚gieriger Mensch‘ und man wieß eigentlich nicht, wie es dazu gekommen ist. Mir fällt in diesem Zusammenhang auch auf, dass ein gemeinsamer Essensbeginn quasi aus der Mode gekommen zu sein scheint. Nur wenn es ein Buffet gibt darf man sofort mit dem Essen beginnen. Haben Sie á la carte im Restaurant bestellt, warten Sie bitte, bis alle etwas haben. Ein kurzer Satz noch zu den Rauchern. Bitte bedenken Sie, dass sich die gute Stimmung schnell ändern kann, wenn sich zwei Drittel der Tischgesellschaft ‚nur mal kurz verabschiedet‘. Der einsame Rest wird sich vermutlich nicht sehr wohl fühlen. 

 

Übergriffiges Verhalten

 Man könnte auch mangelnde Zurückhaltung dazu sagen. Auch das läuft meist nonverbal ab. Jemandem zu nahe zu kommen, unangebrachte Berührungen, kumpelhaftes Verhalten – um nur einige Beispiele zu nennen. Eine erzwungene Umarmung gehört ebenso dazu, wie ungefragt gute Ratschläge zu geben. Übrigens fällt die Missachtung der Hierarchie-Ebenen ebenfalls in diese Kategorie.

 

Aus der Rolle fallen

Wir haben im Laufe eines Tages viele Rollen, die wir ausfüllen sollen: Wir sind Mitarbeiter oder Chef, Lebensgefährte, Sohn oder Tochter, Elternteil, Kollege oder Netzwerkpartner. Jede dieser Rollen füllen wir mehr oder weniger bewusst aus. Ganz oft sind wir auch Gast oder Gastgeber – und hier kommen wir wieder zu unserer gläsernen Wand: Wer diese Rolle nicht respektiert, wird nicht weiterkommen. Als Gastgeber biete ich beispielsweise meinem Gast einen Platz an. Als Gast werde ich mich nicht unaufgefordert irgendwohin setzen. Ich warte ab, ob mir etwas zu trinken angeboten wird und gebe dann keine exotische Bestellung auf – und packe natürlich auch nicht meine ganz persönliche Gesundheitsmischung aus. Auch hier gibt es Stoff zum Weiterlesen: Auch ein Gast hat Pflichten

 

Territoriale Ansprüche

 Wir alle haben Sie – und reagieren verschnupft bis nervös, wenn sie nicht respektiert werden. Was in der Weltpolitik im Großen geschieht, ist auch für das zwischenmenschliche Miteinander bedeutend. Wo liegt nun Ihr persönliches Hoheitsgebiet? Im Job ist das der Arbeitsplatz, im Straßenverkehr Ihr Auto oder der Sitzplatz im Bus und zu Hause Ihr ‚Stammplatz‘. An diesen Orten bestimmen Sie was passieren soll und reagieren ärgerlich – allerdings oft nur unbewusst – wenn diese Grenzen überschritten werden. Ein Beispiel macht es vielleicht anschaulich: Ein Kollege betritt Ihr Büro, legt seine Unterlagen auf Ihrem Schreibtisch ab, nimmt Ihre Maus und verlässt das Programm an dem Sie gerade arbeiten um Ihnen den neuesten Clip auf YouTube zu zeigen. Nebenbei bedient er sich noch bei den Nüssen, die in einer Schale auf dem Tisch stehen. Mindestens fünf Territoriums-Verletzungen innerhalb von drei Minuten. Ich glaube damit wird deutlich, was ich meine.

 

 So, nun habe ich Ihnen fünf Beispiele genannt, die dazu führen ausgebremst zu werden. Sie können sich sicher denken, dass es noch einige mehr gibt. Ich unterstütze Sie gern bei der Suche nach Ihrer gläsernen Wand. Sehen Sie doch unser Personal-Training einmal an.

 

Sie haben Anmerkungen oder Erlebnisse zu diesem Thema? Dann freuen wir uns auf Ihre Kommentare zu diesem Beitrag.

 

 

 

 

4 Comments
  • Gabi Kaiser
    Posted at 16:29h, 15 Mai Antworten

    Manchmal liegt es einfach nur daran eine Frau zu sein. Gute Kinderstube hin oder her…

    • Marlies und Gerhard Smits
      Posted at 16:59h, 15 Mai Antworten

      Manchmal aber auch nicht – und dann war es vielleicht doch die Kinderstube? Oder eben der ‚Nasenfaktor‘ und gegen den helfen auch die ‚Benimm-Regeln‘ nicht.

  • Adelheid Thimm
    Posted at 08:14h, 16 Mai Antworten

    Leider sehe ich gerade bei Jugendlichen, die ins Berufsleben straten, die mangelnde Kinderstube. Dabei ist es für Sie so wichtig.
    Ich finde es gut, dass es Euch gibt. Weiter so…

    • Marlies und Gerhard Smits
      Posted at 11:18h, 16 Mai Antworten

      Danke, liebe Adelheid Thimm,
      das sehen wir genau so – und deshalb gibt es bald, zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres, bei uns einen Online-Kurs „Ausbildungsstart leicht gemacht“

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