15 Nov Mein Beileid – vom Umgang mit dem Tabuthema Trauer

Wenn es einen Trauerfall im Bekannten- oder Kollegenkreis geht fühlen sich viele Menschen hilflos und sind unsicher wie sie sich verhalten sollen. Ich möchte Ihnen in diesem Beitrag einige Anhaltspunkte geben, was zu tun ist, und wie Sie reagieren können.

Gerade in Trauerfällen ist das richtige Verhalten so wichtig, denn Menschen, die vom Tod einer nahestehenden Person betroffen sind, befinden sich in einem Ausnahmezustand. Sie sind viel empfindlicher und verletzlicher. Da kann eine fehlende oder falsche Reaktion der anderen auf die Todesnachricht tief verletzen.

Wie verhalten Sie sich richtig?Rosenranke

 

Beileidesbriefe

  • So zeitnah wie möglich verschicken
  • Hochwertiges, weißes Papier verwenden
  • Kein Geschäftspapier
  • Text individuell formulieren (nicht zu kurz)
  • Anteilnahme soll zum Ausdruck kommen
  • Vorgedruckte Karten nur mit dem Zusatz „senden Maria und Paul Müller“ sind stillos
  • Kondolenzbriefe sollten handschriftlich verfasst werden
  • Der Zusatz „Trauerhaus“ in der Anschrift ist veraltet
  • Nur Briefe aus dem Trauerhaus haben einen schwarzen Rand

 

Mündliche Kondolenz

  • Zeigen Sie Anteilnahme und Mitgefühl
  • Seien Sie einfühlsam
  • Vermeiden Sie Floskeln wie “ mein Beileid“, finden Sie eigene Worte
  • Als Reaktion auf eine Todesnachricht nicht am Telefon kondolieren
  • Wer schriftlich kondoliert hat braucht bei einem Wiedersehen nach längerer Zeit nicht mehr mündlich sein Beileid auszusprechen
  • Beileidsbesuche werden heute nur noch selten gemacht. Nie unangemeldet

 

Beerdigung / Trauerfeier

  • Die Kleidung sollte dunkel sein. Je enger das Verwandtschaftsverhältnis ist, desto konsequenter wird die Farbe schwarz eingehalten
  • Unbedingt pünktlich erscheinen
  • Ins Kondolenzbuch eintragen
  • Blumen oder Kränze schicken lassen. Wer sie selbst mitbringt, sollte sie eine halbe Stunde vor Beginn der Feier abgeben
  • Wenn um eine Spende an Stelle von Kränzen gebeten wird, sollte dieser Wunsch respektiert werden

 

Reihenfolge im Trauerzug und am Grab 

  • Pastor/Pfarrer/Trauerredner
  • engste Familienangehörige
  • weitere Verwandte und engster Freundeskreis
  • Bekannte, Nachbarn, Kollegen

 

Am Grab

  • Aussegnungsformel oder letzter Gruß am Grab
  • Die Hinterbliebenen treten einzeln oder paarweise ans Grab um Abschied zu nehmen.
  • Erde auf den Sarg (1-3 Schaufeln) und / oder Blumengruß
  • Herren machen eine leichte Verbeugung (Hut abnehmen)
  • Den Hinterbliebenen kondolieren
  • Auf Einladung am anschließenden Beisammensein teilnehmen

 

Tabus

  • Beileidsbriefe per Fax oder Email
  • Unangemessene Kleidung zur Trauerfeier
  • Handyklingeln bei der Beisetzung
  • Nicht auf Todesnachrichten reagieren

 

3 Comments
  • Hertha Kerz
    Posted at 23:29h, 16 November Antworten

    Ich war einmal auf einer Beerdigung, da war die Veranstaltung in der Kapelle in vollen Gang, da kommt eine Frau polternd rein, ihren Mann im Schlepptau und verkündet ganz laut, dass sie den Ort leider nicht gefunden hätten……
    .
    Bei einer Beerdigung war kein Pfarrer, sondern ein Redner, der musste die ganze Zeremonie über, den Beerdigungsleiter spielen und immer wieder dezent erklären, was jetzt gemacht wird und jetzt und jetzt…. Das ging vom Eintritt in die Kapelle, bis zum Abschluss am Grab. Selbst dort musste er noch erklären, dass sich die Anwesenden zerstreuen dürften.
    .
    „Vermeiden Sie Floskeln wie “ mein Beileid“, finden Sie eigene Worte“: Welche?

    • Marlies Smits
      Posted at 10:14h, 18 November Antworten

      Liebe Hertha Kerz,

      vielen Dank für diese anschauliche Schilderung, das macht doch deutlich, dass es wirklich nötig ist sich auch mit diesem eher heiklen Thema zu beschäftigen.
      Statt der Floskel ‚Mein Beileid‘ entstehen meine ‚eigenen Worte‘ aus dem Verhältnis zu den Hinterbliebenen. Das kann ein ‚Es tut mir so leid‘ genauso sein, wie ein ‚ich fühle mit Dir‘ oder ‚mir fehlen die Worte. Manchmal ist auch eine kurze Umarmung viel besser als jedes gesprochene Wort.

  • Hertha Kerz
    Posted at 18:29h, 20 November Antworten

    Ja, weiter als bis „mir fehlen die Worte“ komme ich meist auch nicht 🙁
    Das Problem ist ja auch: Je älter man wird, desto häufiger muss man zu Beerdigungen. Danke schön! 🙂

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