11 Jul Krümelalarm! Wie Sie der Brotfalle entgehen

Hand aufs Herz, kennen Sie die Brotfalle überhaupt? Es ist jedenfalls keine überdimensionierte Mausefalle, die Ihnen die Finger quetscht, wenn Sie nach dem Brot greifen. Sie funktioniert eher nach dem Motto: Erwischt, schon wieder jemand, der den korrekten Umgang mit dem Brot nicht kennt.

Wie Sie Ihr Brot, Ihre Brötchen, in Ihren eigenen vier Wänden essen, ist selbstverständlich Ihre Sache. In der Öffentlichkeit ist es aber hilfreich, die aktuelle „Brot-Brech-Regel“ zu kennen und zu beachten.

Sie besagt, dass Sie von Ihrem Brot, egal ob es sich um ein Stück Weißbrot, Ciabatta oder ein kleines Brötchen handelt, nicht abbeißen sondern es stückchenweise essen. Diese Sitte geht übrigens auf das letzte Abendmahl zurück. Dort brach Jesus das Brot für seine Jünger. Eine Regel mit Langzeitwirkung also – und keine Änderung in Sicht!

Lassen Sie uns die Angelegenheit einmal Schritt für Schritt durch gehen.

  1. Der Service stellt nach der Speisenbestellung einen Brotkorb und einen Aufstrich auf den Tisch. Im günstigsten Fall steht Ihnen ein Brotteller zur Verfügung.
  2. Sie werden sich eine Scheibe auf Ihren Teller legen. Ihr Brotteller steht übrigens immer links neben Ihrem Gedeck. Darauf sollte ein Buttermesser oder das (kleinere) Vorspeisenmesser liegen.
  3. Mit der Buttergabel, oder dem Messer, das neben dem Aufstrichschälchen liegt, nehmen Sie sich etwas Butter oder anderen Belag (Schmalz, Knoblauchcreme oder Ähnliches) auf Ihren Teller. Nun brechen Sie sich ein mundgerechtes Stückchen Brot ab, bestreichen dieses mit der Butter und stecken es sofort in den Mund. Rechtshänder benutzen dazu die linke Hand. Dies ist die korrekte Art und Weise, wenn Brot zu einem Mittag- oder Abendessen gereicht wird.
  4. Was aber ist zu tun, wenn zwar Brot gereicht wird, aber der Brotteller fehlt? Hier lautet die Devise: Krümeln erlaubt. Sie können sich natürlich auch vom Service einen Teller bringen lassen.
  5. Ich erlebe es auch, dass zwar ein Brotteller eingedeckt ist, aber das Messer fehlt. Dann muss ich improvisieren. Entweder ich benutze eines der rechts eingedeckten Messer oder ich frage nach einem weiteren Messer.
  6. Mit einem Brotstückchen Reste der vorzüglichen Sauce aufzunehmen, gilt immer noch als stillos. Nur beim Schneckenessen dürfen Sie dieser Leidenschaft hemmungslos nachgehen.
  7. Belegte Brotscheiben werden mit dem normalen Besteck gegessen. Einzig vom Frühstücksbrötchen oder –toast dürfen Sie herzhaft abbeißen. Vom Croissant allerdings sollten Sie wieder einzelne Stücke abbrechen.
  8. Auf größeren Veranstaltungen oder Partys wird Ihnen auch hin und wieder das Brot begegnen. Und zwar in Form von Kanapees oder als belegte Brötchen. Erstere sind kleine Brotscheibchen, die mit einem besonders pikanten Belag versehen sind. Sie sind mundgerecht zubereitet und werden aus der Hand gegessen. Belegte Brötchenhälften sind etwas schwieriger in der Handhabung: Hier müssen Sie abbeißen, was nicht immer ganz gefahrlos ist, ich denke da an rohen Schinken oder anderen „ziehigen“ Belag. Versorgen Sie sich also ausreichend mit Servietten, damit Sie kleine Pannen schnell beheben können.

Für viele Personalentscheider ist gerade der Umgang mit Brot, Serviette, Besteck und Gläsern bei Tisch ein Beurteilungskriterium für die Qualität der „Kinderstube“ allgemein. Und ich mache die Erfahrung, dass immer mehr Wert auf gute Umgangsformen gelegt wird.

Mit diesem 8-Punkte-Plan können Sie nun dem nächsten Restaurantbesuch, jedenfalls was das Brot betrifft, entspannt entgegensehen. Beobachten Sie einmal Ihre Mitmenschen und achten Sie darauf, wer in die Brotfalle geht (aber bitte nur heimlich und kommentarlos).

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