28 Sep Das Krawatten-Dilemma

„A well-tied tie ist the first serious step in life“ danach ist, nach Oscar Wildes Ansicht, der erste Schritt ins ernsthafte Leben eine gut gebundene Krawatte.

Oben ohne ist viel cooler! Nach dieser Devise handeln immer mehr Männer in offiziellen Positionen. Das ist durchaus nicht sexistisch gemeint, sondern beschreibt eine Revolution in der Business-Kleidung für Männer: Dem Verzicht auf die Krawatte im Geschäftsleben. Selbst auf dem politischen Parkett wird immer häufiger auf dieses Accessoire verzichtet.

Imagewechsel

Anscheinend ändert sich das Image, das die Krawatte transportiert gerade. War sie früher ein Symbol für den gesellschaftlichen Rang, so wird sie heute eher als rückständig, spießig und steif empfunden. Und so demonstrieren manche Unternehmenschefs mit der neuen ‚Ungebundenheit‘ ihre Weltoffenheit und Lässigkeit und sorgen dabei nicht nur für Freiheit, sondern vor allem für Unsicherheit.

Dresscodes auf dem Prüfstand

Die gute alte Business Uniform aus Anzug, Hemd (vorzugsweise in Weiß oder Hellblau) und schickem Binder kann ja nicht einfach durch Jeans und Turnschuhe ersetzt werden. Du willst ja schließlich auch ernst genommen werden. Unbewusst schließt jeder von deiner Kleidung auf deine Kompetenz. Auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe und dein Stilempfinden drücken sich über das Äußere aus. Mit den allgemeinen Dresscodes ‚Business Casual‘ und ‚Smart Casual‘ kann ja auch nicht jeder etwas anfangen. Wie geht ihr nun also am besten mit dieser neuen Lockerheit um?

Braucht seriöses Auftreten wirklich eine Krawatte?

Das kommt darauf an. Natürlich ist es nicht nur ein längliches Stück Stoff, das für einen glaubwürdigen Auftritt sorgt. Der ist die Summe vieler einzelner Bestandteile, und die körpersprachlichen Signale spielen dabei eine mindestens ebenso entscheidende Rolle.

Mit einem förmlichen Äußeren entsteht eher eine respektvolle Distanz; ein etwas gelockerter Kleidungsstil soll Hürden abbauen und für mehr Nähe sorgen. Genau da liegt die Chance für Euch Männer. Ihr braucht nicht mehr für jede Gelegenheit einen Schlips, um korrekt angezogen zu sein, sondern könnt, je nach Anlass und Situation entscheiden, was passend ist. Steht die Konvention im Vordergrund, hilft eine Krawatte, um ernst genommen zu werden. Geht es um ein persönliches Miteinander, ist der Binder möglicherweise sogar kontraproduktiv.

Casino Royale vs. Casual Friday

Es wird immer Situationen geben, in denen eine Krawatte Pflicht ist. Viele offizielle Abendveranstaltungen gehören, genauso wie eine festlich gefeierte Hochzeit oder der Besuch eines Casinos dazu. Hier ist die Krawatte übrigens in vielen Häusern nur noch ‚erwünscht‘, das Sakko ist dagegen obligatorisch. Beides kann gegen Gebühr geliehen werden. Krawattenzwang herrscht aber noch in vielen ehrwürdigen Herren-Clubs. Bei manchen gilt diese Regel nur noch für den Abend, tagsüber darf es auch hier etwas legerer zu gehen.

Leger darf es auch freitags sein. Viele Unternehmen haben die amerikanische Sitte übernommen, die den Mitarbeitern erlaubt, am letzten Arbeitstag der Woche etwas weniger förmlich gekleidet zu erscheinen. Das ist der berühmte ‚Casual Friday‘. Der bedeutet aber nicht kurze Hosen oder gar Sportbekleidung zu tragen, sondern gepflegte, lockere Businesskleidung, die auch schon mal aus einer dunklen Jeans und einem karierten Hemd bestehen kann.

Was ist denn nun wann angebracht?

Tja, liebe Herren, das ist nicht so einfach und pauschal zu beantworten. Eine klare Aussage findet ihr im Begriff ‚Business Casual‘. Der bedeutet nämlich, dass auf die Krawatte verzichtet wird, ansonsten aber der Anzug angesagt ist. Das ist also schon mal eindeutig. Darüber hinaus heißt es nun, auf die kleinen Hinweise zu achten: Wie ist der aktuelle Kleidungsstil im Unternehmen? Hat sich hier in den letzten zwei Jahren etwas verändert? Wie ist die Führungsriege beispielsweise in der Kantine gekleidet, wie bei einem Meeting und wie bei der Betriebsversammlung? Das gibt die ersten Anhaltspunkte.

Nie besser gekleidet als der Chef

Schaut euch an, wie euer direkter Vorgesetzter mit dem Thema Kleidung umgeht. Denn die alte Regel: ‚Nie besser gekleidet als der Chef‘ ist ja weiterhin gültig. Selbst wenn es im beruflichen Alltag etwas lockerer zu geht, beim Kundenkontakt kann dann wieder alles anders sein. Die Erwartungen, die Kunden an das Äußere Ihrer Dienstleister haben spielen ja auch eine Rolle. Der Respekt vor dem Kunden drückt sich heute allerdings nicht mehr nur über die Kleidung aus. Die Welt ist unkonventioneller und offener geworden, Kunden sind nicht mehr unbedingt Könige, sondern werden als Partner gesehen. Fingerspitzengefühl in puncto Kleidung ist immer das Gebot der Stunde.

Quer oder Längs?

Bei allem Für und Wider ist die Krawatte trotzdem ein wunderbares Accessoire, das Stilempfinden und Modebewusstsein ausdrücken kann. Ich werde in diesem Zusammenhang oft gefragt, ob auch eine Fliege statt einer Krawatte getragen kann. In den sechziger Jahren war der ‚Querbinder‘ eine gängige Alternative zum ‚Längsbinder‘. Das ist heute komplett in Vergessenheit geraten. Eine Fliege kann durchaus als gleichwertiger Ersatz getragen werden, hat aber doch ein eher spießiges Image. Für die Abendgarderobe ist sie, aus festlichem Material, in vielen Fällen sogar Pflicht (Black Tie).

Eine Handvoll No Go’s

Welche Krawattenknoten für welche Gelegenheit, ob schmaler oder breiter Schlips – alles auch eine Frage der Mode. Eine Frage des Stils sind diese Hinweise:

  • Die Krawatte endet am Gürtel
  • Beim Essen ins Hemd gesteckt geht gar nicht
  • Ein Hemd mit Button-down-Kragen wird offen und ohne Binder getragen
  • Der Knopf unter der Krawatte ist geschlossen (Wenn er nicht zu geht, ist dein Hemd zu klein!)
  • Ein ‚auf Halbmast‘ gebundener Schlips wirkt schlampig und nicht cool
  • Muster aus der Feder von Walt Disney & Co gehören höchstens in die Faschingszeit
  • Kurzarmhemden sind Freizeithemden, werden also Schlips getragen

 

Eine Belohnung zum Schluss

Du hast bis hierher durchgehalten? Super! Dann bist du jetzt auf dem Laufenden, beim Thema Krawatte, was ja leider nicht heißt, dass das Leben in dieser Beziehung einfacher geworden ist.

Als kleine Belohnung habe ich für dich noch ein White-Paper zusammengestellt, dass die ‚Geheimsprache Kleidungsvermerk‘ entschlüsselt – damit Du in Zukunft auch weißt, was sich hinter ‚Smart Casual‘ und ‚Black Tie‘ verbirgt.

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