Foto Ellbphilharmonie (Jan H. Winter)

14 Feb Wie Sie in der Elbphilharmonie (oder anderen Konzerthäusern) eine gute Figur machen

 Am 11. Januar 2017 wurde sie feierlich eröffnet: Die Elbphilharmonie in Hamburg. Die Neugier auf dieses Konzerthaus der Superlative ist groß. Leider finde auch ich mich in der Reihe derer wieder, die bisher noch keine Karten ergattert haben. Für alle die mehr Glück hatten und natürlich für alle Kulturbegeisterten gibt hier ein paar Tipps, damit der Konzert- oder Theaterbesuch – nicht nur in Hamburg – zur reinen Freude wird. 

Kein Dresscode bei der Eröffnung

Für die offiziellen Eröffnungsfeierlichkeiten hat man bewusst auf einen Dresscode verzichtet. Die Philharmonie will sich bewusst als ein Haus für alle positionieren, deshalb wurde lediglich um ‚festliche Kleidung‘ gebeten. Es musste also weder Smoking noch Abendkleid sein.

In den meisten Theatern gibt es heute keine Kleidungsvorschriften mehr. Bei der großen Anzahl unterschiedlicher Bühnen und Aufführungen – von avantgardistisch bis klassisch – würde die Entscheidung für eine Kleidungsempfehlung auch schwerfallen.

Die Ausrichtung gibt Orientierung

Je jünger und moderner eine Inszenierung, desto legerer wird auch der Kleidungsstil des Publikums sein. Trotzdem ist so eine Veranstaltung ja auch ein Ereignis, das für die meisten von uns nicht unbedingt alltäglich ist. Also sollte sich auch unsere Kleidung von der Alltagskluft unterscheiden. Das heißt natürlich für jeden etwas Anderes. Jemand, der immer in Kostüm oder Anzug präsent sein muss, fühlt sich oft im etwas legereren Freizeitlook wohler. Das ist auch absolut in Ordnung – allerdings muss Ihr Outfit in einem tadellosen Zustand sein. Ausgebeulte Jogginghosen oder zerrissene Jeans sind damit nicht gemeint.

Im Allgemeinen können Sie sich gut an der Ausrichtung des Theaters orientieren. Bei den traditionellen Bühnen ist auch das Publikum eher klassisch gekleidet. Wenn Sie dagegen zu einer Comedy-Veranstaltung gehen, werden Sie viele Menschen in Jeans antreffen. 

Sonderfall Premiere

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Für eine Premiere gelten häufig andere Regeln, besonders auf der Opernbühne. Es muss ja nicht die große Abendrobe oder der Smoking sein; Sie werden sich vermutlich wohler fühlen, wenn Sie sich dem Rahmen der Veranstaltung angepasst haben. Auch ein Foyer ist schließlich so etwas wie eine Bühne, auf der jeder jeden betrachtet.

Im Foyer

Foyer ist auch das nächste Stichwort. Drängeln, schubsen oder anderen auf die Füße treten ist nicht erlaubt. Natürlich stellen Sie sich auch am Getränkeausschank schön in der Reihe an. Ganz Clevere bestellen ihre Snacks und Getränke schon vor Beginn der Vorstellung für die Pause und können dann ganz entspannt genießen.

Auf die Plätze, fertig, los

Nehmen Sie Ihre Plätze rechtzeitig ein. Besonders, wenn Sie Karten für die mittleren Sitze haben. Erfahrungsgemäß klappt das nicht immer. Dann müssen Sie wohl oder übel an den bereits sitzenden Zuschauern vorbei. Bitte wenden Sie Ihre Vorderfront denjenigen zu, die nun Ihretwegen aufstehen müssen. Bedanken Sie sich und versuchen Sie, ohne jemandem auf die Zehen zu steigen, vorbei zu kommen. Sind Sie dann an Ihrem Platz angekommen, grüßen Sie Ihre Sitznachbarn freundlich. Schließlich werden Sie einen Abend auf recht engem Raum gemeinsam verbringen – da erleichtert ein freundlicher Gruß die ungewollte Nähe sehr. Spätestens jetzt ist der allerletzte Zeitpunkt, das Handy auszuschalten.   Nach dem Ende der Vorstellung beginnt der große Run auf die Mäntel. Warten Sie lieber einige Minuten ab, bis der größte Andrang vorbei ist. Das spart Nerven.

Ein höflicher Mann wird sich um die Garderobe seiner Begleitung kümmern. Am besten zieht er erst seinen eigenen Mantel an. Danach hat er beide Hände frei, um Ihr behilflich zu sein.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit

Sobald das Licht erlischt, beginnt das allgemeine Husten und Schnaufen. Bitte beteiligen Sie sich nicht daran. Mit einer Bronchitis gehören Sie ins Bett und nicht ins Theater. Machen Sie doch in solchen Fällen lieber der netten Nachbarin eine Freude und verschenken Sie Ihre Karte.

Aber der Hustenreiz kann einen ja auch ohne ernsthafte Erkrankung erwischen. Mit einem Lutschbonbon lässt sich dieser Anflug gut lindern. Wählen Sie aber solche, die sich ohne großes Knistern aus der Packung nehmen lassen.

Applaus, Applaus …

Mir fällt auf, dass immer mehr Menschen Schwierigkeiten haben, einem Stück zu folgen ohne Kommentare abzugeben. Das ist bei einer Theateraufführung natürlich fatal. Was vor der häuslichen Flimmerkiste gar kein Problem ist, wird hier zur Störung für viele. Auch mitgesummte Arien sind selten ein Kunstgenuss für die Sitznachbarn.

Ihr Applaus ist der Lohn und die Anerkennung für die Darsteller. Aber sogar für das Klatschen gibt es Regeln: So ist beispielsweise Auftrittsapplaus – im Gegensatz zu Volkstheatern – in Opernvorstellungen verpönt. Während eines Konzertbesuchs mit klassischer Musik klatschen Sie nicht zwischen den einzelnen Sätzen; weniger Kundige warten lieber auf die Reaktion des übrigen Publikums.

Eine gelungene Aufführung wird mit lang andauerndem Applaus gewürdigt, manchmal auch mit “Standing Ovations” und mit Bravo-Rufen. Planen Sie diese zusätzliche Zeit mit ein und drängeln sich nicht nach dem ersten Beifall durch die Reihen, nur weil es dann an der Garderobe noch leer ist oder Ihre Bahn jetzt fährt.

Kirchenkonzerte

Nach alter Sitte wird in einem Gotteshaus nicht geklatscht. Heute finden aber so viele kulturelle Veranstaltungen in Kirchen statt, dass diese Regel keine Gültigkeit mehr hat. Zeigen Sie also auch bei einem Konzert in einem Gotteshaus, wie gut Ihnen die Vorstellung gefallen hat.

In Gottesdiensten verzichten Sie aber nach wie vor auf den Applaus! Das gilt auch für Hochzeiten. Lassen Sie die lauten Beifallsstürme, wenn der Bräutigam die Braut küsst lieber sein.

Übrigens:In einer Kirche wenden Sie, anders als im Theater, Ihr Gesicht dem Altar zu, wenn Sie durch die Bankreihe gehen.

Soweit meine Anmerkungen zu diesem Thema.

Was fällt Ihnen noch dazu ein? Habe ich etwas vergessen? Ich freue mich auf Ihre Meinungen, Feedback, Anregungen …

 

Fotos Jan H. Winter (Titel). Vielen Dank dafür, Jan. und (wie meistens) Pixabay.

 

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