10 Jan Fünf goldene Regeln

Das Thema Tischsitten kann ganze Bücher füllen, aber wer kann die schon alle lesen? Mit meinen kurzen und knackigen ‚Fünf goldenen Regeln‘ kommen Sie auf jeden Fall ein gutes Stück weiter. Wahrscheinlich kennen Sie sie sogar teilweise, sie sind nur in der Hektik des Alltags ein wenig in Vergessenheit geraten. Erinnern wir uns also gemeinsam an die wichtigen Dinge:

 

Regel #1

 

Es soll appetitlich zu gehen!

Kind isst SpaghettiAnders als im Mittelalter essen wir geräuschlos und sorgen für einen angenehmen Anblick. Schmatzen, mit vollem Mund reden, gierig schlingen oder lautstark schlürfen geht also gar nicht.

Die Haltung spielt eine Rolle. Wer sich aufrecht und gerade an den Tisch setzt, wirkt viel souveräner als jemand, der mit einem Katzenbuckel und aufgestützten Ellenbogen einen entspannten Eindruck machen will. Lümmeln und Flegeln geht leider nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

 

Regel #2

 

Das Handwerkszeug nutzen!

Wir nutzen alle zur Verfügung stehenden Hilfsmittel: Die Serviette dient dem Schutz der Kleidung und bewahrt vor unschönen Rändern am Glas (deshalb vor dem Trinken den Mund abtupfen). Für die meisten Speisen steht uns ein Besteck zur Verfügung. Nur wenn es eine Fingerschale gibt, darf auch mit den Fingern gegessen werden. Über die Sprache des Bestecks können wir mit dem Service kommunizieren und benutztes Besteck berührt die Tischdecke nicht wieder. Besteckteile sollten nicht als Waffe eingesetzt werden. Hier klicken, es gibt eine ergänzende Liste mit Besteckfehlern.

Gläser werden am Stiel oder, falls der nicht vorhanden ist, im unteren Drittel des Glases angefasst. Angestoßen wird nur in einer sehr kleinen Runde, ansonsten wird einander zugeprostet – vergessen Sie dabei den Blickkontakt nicht. Das Abspreizen des kleinen Fingers vom Glas oder der Kaffeetasse ist weder elegant noch empfehlenswert. Ich erzähle dazu ja gern diese Geschichte.

 

Auszug aus "Der Kapuziner-Mönch im Mittelalter"

 

Apropos Kaffeetasse: Sie wird, genau wie ihr großer Bruder der Kaffeebecher, am Henkel angefasst. Falls nachgeschenkt werden soll, bleiben die Gefäße möglichst auf dem Tisch stehen, das ist nicht so unfallträchtig. Reichen Sie trotzdem jemandem Ihre Tasse entgegen, ist es stilvoller, die Tasse auf der Untertasse anzureichen, auch das minimiert die ‚Kleckergefahr‘.

 

Regel #3

 

Allgemeines Basiswissen anwenden!

Eine gemeinsame Mahlzeit sollte auch gemeinsam begonnen werden. Gibt es eine Gastgeberin oder einen Gastgeber, beginnt diese Person mit dem Essen und greift übrigens auch als erste zum Wein – normalerweise mit einem Toast. Hier gilt: Der erste Schluck wird gemeinsam getrunken. Das Wasser dürfen Sie aber schon vorher trinken.

Mit Freunden im Restaurant wird möglichst gewartet, bis alle ihr Essen vor sich stehen haben und dann erst begonnen. Nur bei einem Essen vom Buffet beginnt jeder individuell.

Früher musste ein sogenannter Anstandshappen auf dem Teller liegen bleiben. Damit hat man signalisiert, dass man satt geworden ist, bevor der Teller leer war. Heute ist das im europäischen Raum nicht mehr üblich. Sie essen Ihren Teller leer oder lassen die Dinge darauf liegen, die Ihnen nicht schmecken oder die Ihnen zu viel waren.

Nachwürzen ist auch in Ordnung, wenn Sie vorher wirklich probiert haben, ob Salz oder Pfeffer fehlen. Lassen Sie sich diese Utensilien besser anreichen statt über den Teller des Nachbarn hinwegzugreifen.

Achten Sie auf Ihr Ess-Tempo. Schnellesser bekommen keinen Preis, aber auch die super langsamen sollten die Geduld der Tischgesellschaft nicht auf die Probe stellen. Als Gastgeberin versuche ich immer möglichst als Letzte fertig zu sein, um meine Gäste nicht unter Druck zu setzen. Übrigens; wer mit der Queen speist, kann sich darauf einstellen, dass abgedeckt wird, sobald die Monarchin den jeweiligen Gang beendet hat. J

 

Regel #4

 

Wenn es kompliziert wird …

Hummer-TellerNicht jedes Essen im Restaurant ist ein Kinderspiel, manchmal kann es auch kompliziert werden. Krebse, Hummer, Austern oder Artischocken haben ihre eigenen Regeln. Was aber tun, wenn Sie diese Regeln nicht kennen?

Man Rat: ‚Zeigen Sie Mut zur Lücke‘. Das ist allemal besser als so zu tun also ob sie genau wüssten wie es geht, um dann doch im Fettnäpfchen zu landen. Lassen Sie sich vom Service zeigen, wie man mit der Hummergabel arbeitet oder fragen Sie einfach Ihren Nachbarn wie er den Artischockenblättern zu Leibe rückt. Souveränität zeigt sich auch im Umgang mit unvorhergesehenen Situationen.

Ein paar Tipps noch zu den vermeintlich normalen Speisen:

  • Kartoffeln dürfen Sie heute mit dem Messer schneiden – aber nicht ‚musen‘
  • Geflügel wird im Restaurant mit dem Besteck gegessen
  • Das Frühstücksei darf geköpft werden
  • Spaghetti werden mit der Gabel gegessen und nicht geschnitten
  • Der Suppenteller darf gekippt werden (nach hinten)

 

Regel #5

 

Eine Frage des Respekts!

Mit anderen Menschen gemeinsam eine Mahlzeit zu genießen, bedeutet auch Rücksicht aufeinander zu nehmen. Die Beschäftigung mit dem Smartphone verschieben wir also besser auf später. Stattdessen sorgen wir für ein angenehmes Gesprächsklima, unterhalten uns interessiert und verbreiten möglichst gute Laune.

Auch wenn in vielen Restaurants kleine Zahnstocher bereitstehen, widerstehen Sie der Versuchung, etwaige Essensreste hinter der vorgehaltenen Hand zu entfernen. Verlassen Sie lieber den Tisch und führen Sie diese Operation im Waschraum durch. Hier können die Damen auch ungestört ihr Make-up erneuern. Der Lippenstift dürfte zwar am Tisch kurz aufgefrischt werden, aber auch diese Aktion ist eigentlich vor einem Spiegel erfolgreicher.

In den meisten Restaurants darf nicht mehr geraucht werden. Die Folge: So manche Tischgesellschaft vereinsamt, weil die Hälfte der Gäste vor der Tür ihrem Laster frönt. Höflicher ist es, mit dem Rauchen bis nach dem Essen zu warten. Auch früher galt schon die Regel: ‘Zwischen den Gängen wird nicht geraucht‘. Für die Küche und die anderen Gäste ist es viel angenehmer, wenn sich die Raucher bis zum Kaffee gedulden.

 

Mit diesen goldenen Regeln haben wir doch eine gute Grundlage oder? Nun muss dieses Wissen nur noch angewandt werden, aber das schaffen Sie sicher, das meiste war ja sowieso nur Auffrischung 😉


Zum Thema Tischsitten passt unser beliebtes Tischsitten-Seminar ‚Ein (fast) perfektes Dinner‘.

Und dafür bieten wir einen Termin: 17. Februar 2017 (18.00 – 22.00 Uhr in Hamburg)

Das Besondere: Unser ‚Knigge-Kurs-Online‘ ist Bestandteil dieses Seminars – zweifacher Nutzen zum sehr günstigen Preis. Weitere Infos gibt es hier >>>


Zum gemeinsamen Essen gehören natürlich auch Tischgespräche, oder moderner ausgedrückt: Ihre Small-Talk-Fähigkeiten sind gefragt. Tipps dazu finden Sie in unserem PDF (hier klicken).

Sie kennen das ja: Adresse eintragen, bestätigen, lesen, umsetzen!

Viel Spaß dabei!

2 Comments
  • Jost Tödtli
    Posted at 14:50h, 12 März Antworten

    Spaghetti bitte nicht mit der Zuhilfenahme des Löffels essen.

  • Gerhard Smits
    Posted at 15:29h, 12 März Antworten

    Das stimmt, allerdings wurden uns auch schon Spaghetti auf einem flachen Teller serviert – dann wird es sehr schwierig, ohne Löffel auszukommen. Man kann halt nur so gut sein wie das Umfeld es vorgibt.

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